Korruption im Sport

Inder ermitteln gegen Swatch-Tochter wegen 23 Millionen-Deal

Swatch Group-CEO Nick Hayek Jr. sitzt auch im Verwaltungsrat der Swiss Timing.

Swatch Group-CEO Nick Hayek Jr. sitzt auch im Verwaltungsrat der Swiss Timing.

Die indische Anti-Korruptionsbehörde ermittelt gegen die Swatch-Tochter Swiss Timing. Ihre Zeitmessungs-Lösung soll für die Commonwealth Games irregulär bevorzugt und für einen völlig überrissenen Preis verkauft worden sein.

Das indische FBI, das «Central Bureau of Investigation» (CBI), schlug am Dienstag zu: Die Beamten durchsuchten Räumlichkeiten diverser Personen und beschlagnahmten «grosse Mengen inkriminierender Dokumente», teilte die Behörde mit.

Im Zentrum der Affäre steht die Vergabe des Zeitmessungssystems für die Commonwealth Games 2010, die in Neu Delhi ausgetragen wurden.

Den Zuschlag für die Olympiade der ehemaligen britischen Kolonien erhielt die Swatch-Tochter «Swiss Timing», der Auftrag ging für umgerechnet 23 Millionen Franken über die Bühne.

22 Personen im Visier der CBI

Seit Monaten steht der Verdacht im Raum, bei der Vergabe sei massiv geschummelt worden.

22 Personen stehen im Fokus, die Ausschreibung fürs Messsystem derart verändert zu haben, dass nur die Schweizer zum Zug kommen konnten. Ein spanischer Konkurrent sei so illegal aus dem Wettbewerb verdrängt worden.

Viermal so teuer wie bei den letzten Spielen

Darüber hinaus habe Swiss Timing für die Spiele in Indien bis zu viermal mehr verlangt, als bei den Commonwealth Games 2006 in Melbourne. Der Auftrag von umgerechnet 23 Millionen Franken hätte bei einem normalen Wettebewerb höchstens 8,6 Millionen Franken gekostet.

Neben der CBI hat nun auch das «Directorate of Enforcement» eine Untersuchung angekündigt. Dabei handelt es sich um eine Abteilung der indischen Steuerbehörden.

Swatch Group bestreitet Fehlverhalten

Swatch Group-Mediensprecherin Béatrice Howald bestreitet gegenüber der AZ jegliches Fehlverhalten: «Weder Swatch Group noch Swiss Timing haben bei dem Ausschreibungsverfahren für die Commonwealth Games irgendwelche Unregelmässigkeiten begangen oder geduldet.»

Im Gegenteil, Swiss Timing habe den Zuschlag aufgrund eines regulären und transparenten Ausschreibungsprozesses erhalten, sagte Béatrice Howald der Aargauer Zeitung.

Auch hätten die indischen Behörden bis heute weder mit der Swatch Gruppe noch mit Swiss Timing zum Thema Kontakt aufgenommen.

Die Pressemitteilung des CBI ist seit dem 30. November online.

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