Die Polizei sprach von 800 bis 1000 Flüchtlingen, die sich an den Zäunen des riesigen Areals um den Tunneleingang aufhielten. 300 Menschen wurden abgeführt.

Die Flüchtlinge blockierten zudem etwa eine Stunde lang einen der Zugänge zum Gelände vor dem Eurotunnel-Eingang. Im Zugverkehr unter dem Ärmelkanal kam es deswegen zunächst zu Verspätungen. Am Donnerstag fuhren die Züge aber wieder normal.

Der britische Premierminister David Cameron zog derweil mit Äusserungen über die Flüchtlinge heftige Kritik auf sich. Bei einem Besuch in Vietnam sprach er von einem "Schwarm" von Flüchtlingen. Diese wollten nach Grossbritannien gelangen, weil es dort Arbeit und Wirtschaftswachstum gebe.

Die Interims-Vorsitzende der Labour-Partei, Harriet Harman, betonte, es gehe um "Menschen und nicht um Insekten". Die britische Boulevard-Presse attackierte Frankreich: "Schickt die Armee" titelte das konservative Blatt "Daily Mail".

UNO kritisiert übertriebene Debatte

Der Sonderbeauftragte für Migrationsfragen bei den Vereinten Nationen, Peter Sutherland, sprach von einer "übertriebenen Debatte" in Grossbritannien. Verglichen mit anderen Ländern sei die Zahl der Migranten in Grossbritannien eher gering, sagte er dem Sender BBC. Deutschland habe im vergangenen Jahr 175'000 Asylanträge erhalten, Grossbritannien dagegen 24'000.

Gegenüber den vergangen Nächten ging die Zahl der Flüchtlinge, die auf französischer Seite in den Tunnel zu gelangen versuchen, zuletzt zurück. Die Behörden führen das auf verstärkte Sicherheitsvorkehrungen zurück.

Weiteres Todesopfer

Am Donnerstag gaben die französischen Behörden den Tod eines Flüchtlings bekannt, der sich am Wochenende schwere Kopfverletzungen zugezogen hatte, als er auf einen Zug nach Grossbritannien gelangen wollte. Seit Anfang Juni sind damit bereits zehn Flüchtlinge auf der französischen Seite des Ärmelkanals ums Leben gekommen.

Am Mittwoch erlitt überdies ein 17-jähriger Ägypter am Pariser Nordbahnhof einen lebensgefährlichen Stromschlag. Er wollte auf das Dach eines Eurostar-Zugs springen, der in Richtung Grossbritannien abfuhr. Der Jugendliche schwebte nach Polizeiangaben am Donnerstag weiter in Lebensgefahr.

Angesichts der angespannten Lage in Calais wollen Frankreich und Grossbritannien die Sicherheitsmassnahmen weiter verstärken. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve sagte am Mittwoch die Entsendung von zusätzlichen 120 Polizisten nach Calais zu.

Seine britische Kollegin Theresa May hatte bereits am Dienstag angekündigt, ihre Regierung werde weitere zehn Millionen Euro für Absperrmassnahmen auf der französischen Seite des Eurotunnels bereitstellen.