Im Libanon müssten oft schon Sechsjährige schuften, heisst es im ersten umfassenden Bericht über Kinderarbeit unter syrischen Flüchtlingen in der Region. Die Kinderhilfsorganisationen UNICEF und Save the Children veröffentlichten das Dokument am Donnerstag.

In Jordanien, wohin 440'000 Syrer vor dem seit fünf Jahren dauernden Bürgerkrieg geflohen sind, sind demnach in der Hälfte der befragten Haushalte die Kinder wichtige oder gar die einzigen Geldverdiener.

"Auf Grundlage all dieser Befragungen ist klar, dass Kinderarbeit massiv zugenommen hat, seit der Konflikt in Syrien begonnen hat", sagte die Sprecherin des UNO-Kinderhilfswerkes UNICEF, Juliette Touma.

Schulbesuch kaum möglich

Dem Bericht zufolge werden Kinder als Soldaten rekrutiert, sexuell ausgebeutet und regelrecht verschachert. Im Libanon arbeiten sie auf Feldern. In Jordanien schuften sie in Geschäften und Restaurants. In der Türkei backen sie Brot und fertigen Schuhe. Kinder arbeiten in Steinbrüchen und auf Baustellen und sind erheblichen Risiken ausgesetzt.

Drei von vier arbeitenden Kindern, die im jordanischen Flüchtlingslager Saatari befragt wurden, klagten über gesundheitliche Probleme, heisst es in dem Bericht. Meist müssten sie sechs oder gar sieben Tage pro Woche schuften. Sie erhielten vier bis sieben Dollar pro Tag.

Viele Kinder seien jünger als zwölf Jahre, wenn sie mit der Arbeit beginnen. Einige seien gerade einmal sechs Jahre alt. Ein geregelter Schulbesuch sei kaum möglich.

Lage könnte sich noch verschlechtern

Ein 13-Jähriger, der in Jordanien Kartoffeln erntete, berichtete, wenn seine Tasche voll sei, wiege sie mehr als zehn Kilogramm. Und wenn er Kartoffeln liegenlasse, werde er mit einem Plastikschlauch geschlagen.

Einige Arbeitgeber stellen dem Bericht zufolge lieber Kinder an, weil sie billiger sind als Erwachsene. Zudem erhalten Erwachsene meist keine Arbeitserlaubnis in ihrem Zufluchtsland.

Die Lage werde sich vermutlich noch verschlechtern, heisst es in dem Bericht von UNICEF und Save the Children. Denn die Hilfsorganisationen müssten ihre Programme kürzen, weil ihnen die Mittel fehlten.