Die Zahl von Hinrichtungen geht weltweit zurück, und doch werden immer mehr Menschen wegen Drogenvergehen hingerichtet. China, der Iran, Saudi-Arabien und Singapur führen die Liste der Nationen an, die Todesstrafen für Drogenhändler ausführen.

Singapur hängte vergangenes Jahr acht und dieses Jahr bisher zwei Menschen – alle wegen Drogen. Angesichts der eigenen Drogenprobleme im Land blickt nun auch die Regierung von US-Präsident Donald Trump auf Singapurs strikte Praxis. In einer Rede am 19. März forderte Trump die Todesstrafe für Drogendealer, um Amerikas Opioid-Epidemie einzudämmen. Dabei zeichnet sich auch ausgerechnet in Asien, das lange für seinen harten Krieg gegen Drogen gefürchtet war, ein Umdenken in Richtung Rehabilitation statt Kapitalstrafen ab.

Noch nie hat Singapur einen zum Tod verurteilten Drogendelinquenten begnadigt. Auf gewisse Mengen steht zwingend der Tod. Die einzige Ausnahme von der Regel war im Jahr 2002 die 22-jährige Deutsche Julia Bohl, in deren Wohnung bei einer Razzia 687 Gramm Cannabis gefunden worden waren. Wer mehr als 500 Gramm Marihuana bei sich hat, gilt auf der Tropeninsel am Äquator automatisch als Dealer, für den es laut Gesetz nur den Tod durch den Galgen geben kann.

Rettung aus dem Labor

Es war wohl besonderem Geschick deutscher Diplomatie zu verdanken, dass die junge Deutsche mit der Lektion ihres Lebens davonkam: Als unverhoffte Rettung erwies sich eine Laboranalyse, die einen Gehalt von 281 Gramm reinen Rauschgifts ergab.

Diese Laborpraxis war nie zuvor und ist seither nie wieder angewandt worden. Kein Angeklagter kam mit dem Leben davon, und Singapurs Scharfrichter arbeiten mit der Exaktheit eines Schweizer Uhrwerks. Hinrichtungen erfolgen immer an einem Freitag um 6 Uhr früh. Eine Schlinge – gemessen nach dem Gewicht der Person – wird über den Kopf des Gefangenen gelegt, der Knoten hinter dem rechten Ohr, um sicherzustellen, dass das Rückenmark beim Fallen durch die Falltür reisst. Der Prozess ist schnell und methodisch.

Etwa einen Tag vor der Hinrichtung gibt es eine bizarre Scharade. Der Häftling darf sich aus seiner Gefängnisuniform in normale Kleidung umziehen und für ein Fotoshooting posieren. Die Hinterbliebenen erhalten die Fotos als Erinnerung an den Gehenkten.

Respekt für Duterte

Unlängst soll auch US-Präsident Trump Interesse an Singapurs harter Drogenpolitik geäussert haben, berichtete die «Washington Post». Trump macht auch kein Geheimnis aus seinem Respekt für den philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, dessen «Drogenkrieg» für den Tod von Tausenden durch aussergerichtliche Polizeimorde verantwortlich ist. Trump lobte Duterte in einem Telefonat für seine «unglaubliche Arbeit am Drogenproblem».

Singapurs Botschafter in den USA, Ashok Kumar Mirpuri, mischte sich in die Debatte ein und schickte unlängst einen Leserbrief an die «Post» mit dem Titel «Singapur gewinnt den Krieg gegen Drogen». Er schrieb: «Singapurs Anti-Drogen-Strategie hat sich bewährt. Singapur hat eine der niedrigsten Raten von Drogenmissbrauch in der Welt: 30 Opiate-Süchtige pro 100 000 Menschen, verglichen mit 600 in den USA.»

Dabei hat Singapur vor Jahren selber eingesehen, dass auch Hinrichtungen Drogenprobleme nicht stoppen. Singapur entschied sich im Jahr 2012, die Zahl der Drogendelikte zu reduzieren, auf die zwingend der Strang steht. China setzt seit Jahrzehnten auf Methadon-Kliniken und freiwillige Rehabilitationsprogramme.

Ehrgeiziger ist Thailands Militärregime, das öffentlich einräumte, dass der blutige Krieg gegen Drogen die ganze Zeit «falsch» war. Die Regierung befürwortet die Legalisierung von Marihuana und Amphetaminen für medizinische Zwecke sowie ein Umdenken zu präventiver Rehabilitation.

Im Dezember schaffte auch Malaysia ein 34-jähriges Gesetz ab, das zwingend die Todesstrafe für Drogendelikte verlangte, mit dem Fokus neu auf Rehabilitation.

Lernen aus den Misserfolgen

Malaysia und Thailand distanzieren sich öffentlich von einer harten Drogenpolitik, die sie als gescheitert erachten. Im Singapur der harten Drogengesetze sitzen 80 Prozent der Gefangenen wegen Drogen. Dies, verbunden mit der Tatsache, dass Singapur die siebthöchste Inhaftierungsrate pro Kopf in Asien hat, passt auch nicht so gut zu den Behauptungen der Regierung, dass die Zahl der Drogenkriminalität dank der harten Gesetze gering ist.

Während die US-Regierung über eine Antwort auf die Opioid-Krise nachdenkt, wäre aus den tatsächlichen Erfolgen und Misserfolgen Asiens im Krieg gegen Drogen zu lernen.