US-Aussenminister

«Ich setze Trumps Politik um»: Mike Pompeo gilt als loyal, machtbewusst und tiefreligiös

US-Aussenminister Mike Pompeo auf Besuch in der Schweiz.

US-Aussenminister Mike Pompeo ist eines der Aushängeschilder von Trumps Regierung. Er gilt als loyal, machtbewusst – und er ist tiefreligiös.

Es gibt Menschen in Washington, die bezeichnen Mike Pompeo als den Mann, der die Suppe auslöffeln muss, die ihm sein Vorgesetzter eingebrockt hat – und zwar nicht nur, weil der ehemalige Berufsmilitär, Unternehmer und Politiker in seinem ersten Amtsjahr als Aussenminister noch fülliger geworden ist.

Andere Politbeobachter sehen in dem 55-Jährigen das Sprachrohr Donald Trumps. Pompeo könne seinen ausländischen Gesprächspartnern die bisweilen kryptischen Ankündigungen des Präsidenten übersetzen, ohne dabei illoyal zu wirken. Schliesslich sagt der Aussenminister von sich selbst: «Ich setze Präsident Trumps Aussenpolitik um.» Dass er dabei Staats- und Regierungschefs vor den Kopf stösst, so wie er dies im vergangenen Dezember während einer Rede in Brüssel tat, scheint Pompeo nicht zu stören. Ganz im Gegenteil. Ähnlich wie sein Chef ergötzt sich der Chefdiplomat bisweilen daran, sein Gegenüber zu brüskieren. Bestes Beispiel dafür: Eine Rede, die Pompeo im Winter in Brüssel hielt und in der er über die Bürokraten der Europäischen Union herzog.

Mike Pompeo zu Besuch in Bundesbern:

Schweizer Messer in der Bibel

Vielleicht hat dieses etwas ruppige Auftreten auch damit zu tun, dass sich Pompeo daran gewöhnt hat, auf Widerspruch zu stossen. Als er 2010 in seiner Heimatstadt Wichita, Kansas, die Wahl um einen Sitz im nationalen Repräsentantenhaus gewann, identifizierte er sich mit dem rechten Flügel der Republikanischen Partei – er war Teil der «Tea Party», die sich auf dem Kriegspfad gegen die Führungsriege seiner eigenen Partei befand. Und zu seinen wichtigsten Gönnern gehörten die Gebrüder Charles und David Koch, Co-Besitzer des unter linken Amerikanern verpönten Firmenkonglomerates Koch Industries. Der Hauptsitz der Firma befindet sich Wichita; und Pompeo wurde alsbald in Washington als «The Congressman from Koch» verspottet.

Etwas vergessen ging dabei, dass Pompeo einen guten Machtinstinkt besitzt. So verzichtete er darauf, sich in Washington dem «Freedom Caucus» anzuschliessen, einer Gruppe rechtskonservativer Republikaner, die sich einen Spass daraus machte, der republikanischen Fraktionsführung in den Rücken zu fallen. Gleichzeitig machte er sich als scharfer Kritiker der ehemaligen Aussenministerin Hillary Clinton einen Namen, die er als Mitglied des Geheimdienstausschusses in die Zange nahm. Damit leistete er, zumindest indirekt, einen Beitrag zum Wahlsieg Trumps im November 2016.

Mike Pompeo trifft Bundesrat Cassis:

Dieser belohnte ihn mit der Berufung zum Direktor des Auslandgeheimdiensts CIA. Ein Jahr später, im März 2018, folgte die Promotion zum Aussenminister, auch weil Pompeo für seinen Führungsstil generell gute Noten erhielt. In Washington gilt der ehemalige Kalte Krieger als Falke, der allerdings diplomatische Verhandlungen mit Kontrahenten wie dem Iran oder Venezuela nicht prinzipiell ablehnt.

Pompeo ist tiefreligiös. Zuletzt sorgte er für Aufsehen, weil er behauptete, die Regierung Trump verrichte Gottes Werk. Eigentlich sollten diese Aussagen aber nicht weiter verwundern, befindet sich doch selbst in seinem Büro im Aussenministerium eine Bibel. Als Buchzeichen dient Pompeo dabei übrigens ein Schweizer Armeemesser.

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