Massensterben

Hunderte tote Dickhäuter: Die Forscherwelt rätselt über das Elefantensterben in Botswana

356 Elefanten sind in Botswana auf mysteriöse Weise verendet. Die Spezies wird das Massensterben gut überstehen.

Wie vertrocknete Fliegen liegen sie im Sand, nur riesig. Graues Elend auf braunem Grund. Eine apokalyptische Szenerie: Mindestens 356 Afrikanische Elefanten sind seit Mai im Okavango-Delta in Botswana ums Leben gekommen. Was die grössten Landtiere der Welt massenhaft umbringt, bleibt bislang völlig rätselhaft.

Bemerkt haben das Massensterben der Dickhäuter Mitarbeiter der Gruppe Elephants without Borders («Elefanten ohne Grenzen»), die bei zwei Überflügen über das bei Touristen beliebte Gebiet immer mehr tote Tiere entdeckten. Fast alle der verstorbenen Elefanten wurden im nördlichen Teil des Flussdeltas nahe des Dorfes Seronga entdeckt. Manche liegen mit derart verkrümmten Extremitäten am Boden, dass es wirkt, als ob sie mitten im Gehen das Gleichgewicht verloren hätten und unsanft zu Boden geknallt wären. Mehrere der Elefanten, die noch lebten, machten auf die Beobachter einen komplett verwirrten Eindruck. Einer lief unablässig im Kreis.

© CH Media

Massensterben, wie man sie bei Walen kennt, sind bei den grössten Landtieren der Erde äusserst selten. Deshalb suchen die örtlichen Behörden mit Hochdruck und mit internationaler Unterstützung von Laboren in Kanada, Simbabwe und Südafrika intensiv nach Antworten auf die Frage: Warum?

Erlitten sie dasselbe Schicksal wie die New Yorker Tiger?

Klar ist bislang: Wilderei kann praktisch ausgeschlossen werden. Die wertvollen Stosszähne, für deren Elfenbein die Menschheit die Elefanten in manchen Gebieten ausgerottet hat, wurden bei keinem der Tiere entfernt. Auch vergiftete Wasserlöcher sind ausgeschlossen, da neben den Elefanten keine andere Spezies betroffen ist. Anthraxbakterien, die vor rund einem Jahr für ein ähnliches Massensterben gesorgt hatten, kommen als Ursache ebenfalls nicht in Frage.

Sind die Elefanten also dem Coronavirus zum Opfer gefallen? Eher nicht, glaubt Mark Hiley von der Organisation National Park Rescue. Zwar ist durch mehrere überlieferte Fälle in New York bekannt, dass etwa Tiger in Gefangenschaft an Covid-19 erkrankt sind. Dass das Virus aber auf Elefanten übertragen werden könne, sei nicht erwiesen, erklärte Hiley der «New York Times».

Chris Thouless, Forschungsleiter bei der Organisation Save the Elephants in Kenia, sagte der Zeitung, solche Massensterben – so tragisch sie auch seien– gehörten zur Natur. Durch die wachsende Elefantenpopulation würden sie in bestimmten Gebieten der Erde (wie etwa dem Okavango-Delta) in den kommenden Jahren sogar zunehmen. Thouless glaubt, die Elefanten könnten an Encephalomyocarditis erkrankt sein; einer Virusinfektion, die auch in Botswanas Nachbarland Südafrika einst wütete und Dutzende Elefanten tötete.

Theo Pagel, Direktor des Kölner Zoos, zeigte sich im «Deutschlandfunk» betroffen über das Schicksal der bedrohten afrikanischen Elefanten in Botswana. Dass die verendeten Riesen weltweit für Schlagzeilen sorgen, kann der Elefantenexperte gut verstehen. «Es gibt kaum ein Tier, das so charismatisch auf uns wirkt wie die in sozialen Verbänden lebenden Elefanten.»

Beispiel Kenia zeigt: Population erholt sich schnell

Das zeigte sich jüngst auch in der Schweiz, als das halbe Land Anteil nahm am Tod eines Elefantenkalbes im Zoo Zürich. Das Tier war im April noch in der Nacht seiner Geburt an einer Kopfverletzung gestorben. Wie es genau zu den Verletzungen kam, ist nicht abschliessend geklärt. Menschen waren bei der Geburt – wie üblich seit dem Umzug der Zürcher Elefanten in den neuen Kaeng Krachan Elefantenpark 2014 – keine zugegen.

Die gute Nachricht an den traurigen Neuigkeiten aus Botswana ist: Die Spezies wird das Massensterben vermutlich locker wegstecken. Der Afrikanische Elefant gilt zwar als «gefährdet». Gerade in Botswana aber hat sich die Population in den vergangenen Jahren prächtig erholt. Vor 30 Jahren lebten noch rund 50'000 Tiere in dem Land. Heute sind es etwa 130'000 Elefanten.

Und: Ein Beispiel aus Kenia zeigt, dass sich die Bestände selbst nach schweren Schlägen schnell wieder erholen können. 1970 und 1971 kamen wegen einer Dürre fast 6000 der 35000 dortigen Elefanten ums Leben. Nach zwei Jahren hatte sich die Population bereits wieder erholt.

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