Russland - Tschetschenien

Hunderte gedenken in Moskau der Ermordung von Anna Politkowskaja

Protestierende fordern die Bestrafung der Täter

Protestierende fordern die Bestrafung der Täter

Auf den Tag genau vier Jahre nach der Ermordung der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja haben sich in Moskau hunderte Menschen zu einer Protest- und Gedenkveranstaltung versammelt.

Sie trugen am Donnerstag Blumen und Bilder der Journalistin bei sich und forderten eine Bestrafung der Täter.

"Ich kann es nicht glauben, dass die Mächtigen in Moskau und Tschetschenien nicht herausfinden können, wer Anna ermordet hat, und dass die Polizei in Europa den Mörder nicht festnehmen konnte", sagte in einer Ansprache Dmitri Muratow, Chefredaktor der Zeitung "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja gearbeitet hatte. "Vielleicht hat der politische Wille gefehlt?"

Die kremlkritische Journalistin war am 7. Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Mörder und Auftraggeber sind bis heute auf freiem Fuss.

Politkowskaja hatte die Tschetschenien-Politik des damaligen Präsidenten Wladimir Putin kritisiert und Menschenrechtsverletzungen beim Feldzug russischer Truppen in Tschetschenien angeprangert.

Scharfe Kritik an Putin

Bei der Demonstration wurde auch scharfe Kritik am heutigen Regierungchef Putin laut, der am 7. Oktober Geburtstag hat. "Nieder mit Putin, die Menschen haben ein Recht zu leben", hiess es auf einem Schild.

Der Oppositionspolitiker und Ex-Schachweltmeister Garry Kasparow sagte, es sei "vielsagend", dass Politkowskaja an Putins Geburtstag ermordet wurde. "Russland ist ein Land der Symbole."

Auch der frühere Regierungschef Boris Nemzow, heute in der Opposition, sagte, das Datum des Mordes sei "kein Zufall". Die Mächtigen würden "Journalisten hassen, die ihre kriminellen Aktivitäten recherchieren".

Kritische Fragen wurden auch in einem Kalender an Putin gerichtet, den Moskauer Studentinnen im Internet veröffentlichten. Darin sind sechs in Schwarz gekleidete Journalismus-Studentinnen der Universität Moskau abgebildet, deren Mund mit Klebestreifen verklebt sind. Abgedruckt sind zudem Fragen an den Regierungschef: "Wer hat Anna Politkowskaja getötet?" oder "Wie sieht es mit dem Recht auf Demonstrationen aus?"

Der Kalender ist die Reaktion auf einen Erotik-Kalender, in dem knapp bekleidete Studentinnen der gleichen Fakultät Putin mit schmeichlerischen Sprüchen zum Geburtstag gratulieren.

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