Der Überlebenskampf im Bürgerkriegsland werde von Tag zu Tag härter, sagte Ging am Freitag vor den Medien nach einem Treffen mit Regierungsvertretern in Genf. "Leider zieht der Konflikt nicht mehr genug Aufmerksamkeit vom Ausland auf sich und die Syrer sind zunehmend verzweifelt. Sie fühlen sich in ihrer Not allein gelassen."

"Die Menschen sind demoralisiert, weil es keinen neuer Termin für die Wiederaufnahme von Gesprächen in Genf gibt, um eine politische Lösung des Konfliktes zu suchen", sagte der UNO-Direktor für humanitäre Einsätze weiter. "Werden wir diesen Konflikt noch drei Jahre tolerieren?"

Zuwenig Geld und kaum medizinische Hilfe

Während die Zahl der von Nothilfe abhängigen Menschen in Syrien steige, stagnierten die Hilfsgelder. Die UNO hatte im Dezember ihre Mitgliedstaaten um 6,5 Milliarden Dollar gebeten. Der Hilfsappell blieb jedoch weitgehend unbeantwortet: Bislang seien nur 20 Prozent dieser Summe eingegangen und die Nothilfe für die Flüchtlinge in den Nachbarländern sei lediglich zu 25 Prozent finanziert. "Wir haben nicht die Ressourcen, die wir brauchen", klagte Ging.

Ein grosses Problem bleibe der Zugang zu medizinischer Hilfe. Ging prangerte insbesondere die Weigerung der syrischen Behörden an, die Übergabe von Medikamenten und chirurgischen Geräten in betroffenen Gebieten zu ermöglichen. "Verhindern, dass Verletzte Unterstützung erhalten, ist völlig inakzeptabel, es ist abscheulich", sagte Ging.

Mittlerweile leiden 9,3 Millionen Syrerinnen und Syrer direkt unter dem Krieg und sind von Nothilfe abhängig. In dem nunmehr über drei Jahre dauernden Bürgerkrieg wurden schätzungsweise über 150'000 Menschen getötet. Millionen Syrer sind auf der Flucht.