Senegal

Hohe Beteiligung bei Präsidentenwahl im Senegal

Eine Senegalesin zeigt ihre rot gefärbte Fingerspitze, nachdem sie ihre Stimme abgegeben hat

Eine Senegalesin zeigt ihre rot gefärbte Fingerspitze, nachdem sie ihre Stimme abgegeben hat

In einer umstrittenen Wahl haben die Menschen im Senegal am Sonntag über einen neuen Präsidenten abgestimmt. Das politisch verhältnismässig stabile Land in Westafrika wird seit Wochen von Protesten erschüttert, bei denen seit Januar sechs Menschen ums Leben kamen.

Hintergrund ist die Entscheidung von Staatschef Abdoulaye Wade, eine dritte Amtszeit anzustreben und damit gegen eine von ihm selbst in der Verfassung verankerte Regelung zu verstossen.

Den Schritt begründete der 85-Jährige damit, dass die Beschränkung auf zwei Amtszeiten erst nach seinem Amtsantritt in Kraft getreten sei. Das höchste Gericht des Landes hatte diese Auslegung im Januar bestätigt.

Der frühere nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo hatte sich vor der Wahl vergeblich um eine Vermittlung zwischen Wade und der Oppositionsbewegung bemüht. Die Opposition hat damit gedroht, das Land unregierbar zu machen, sollte Wade gewinnen.

Hohe Wahlbeteiligung

Die Abstimmung verlief zunächst friedlich. Der Leiter der EU-Beobachtermission, Thijs Berman, sagte, die Beteiligung sei offenbar hoch.

Präsident Wade wurde bei der Stimmabgabe in seinem Wahlkreis von einer Menschenmenge ausgebuht. "Tritt ab, alter Mann", riefen ihm die Menschen zu. Der Präsident wurde daraufhin umgehend von Sicherheitsleuten fortgebracht. Erste Teilergebnisse werden für Dienstag erwartet.

Das Verfassungsgericht hatte eine Kandidatur des weltbekannten Musik-Stars Youssou N'Dour verhindert. Der populäre Popstar ("Seven seconds") hatte angeblich zu wenig Unterschriften von Unterstützern gesammelt.

"Die ganze Welt schaut heute auf Senegal", sagte der in weisse, traditionell afrikanische Gewänder gekleidete Popstar bei der Stimmabgabe in Mermoz, einem Stadtteil Dakars.

14 Kandidaten

Insgesamt gibt es im Senegal rund 5,3 Millionen Stimmberechtigte. Allerdings waren bis zum Donnerstag noch knapp 500'000 Wahlbenachrichtigungen nicht ausgestellt.

Die internationalen Beobachter rechneten damit, dass zwischen drei und acht Prozent der Wähler ihr Stimmen nicht würden abgeben können. In der südlichen Casamance wurden mancherorts die Wahllokale nicht rechtzeitig geöffnet.

Unter den 14 Bewerbern für das höchste Staatsamt waren drei ehemalige Regierungschefs, von denen Ex-Premierminister Macky Sall vermutlich die grössten Chancen hatte, in die Stichwahl zu gelangen. Wade gilt trotz aller Proteste als Favorit. Er ist der zweitälteste afrikanische Staatschef hinter dem 88-jährigen Präsidenten von Simbabwe, Robert Mugabe.

Sollte keiner der Kandidaten am Sonntag eine absolute Mehrheit erreicht haben, wird es im März eine Stichwahl geben.

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