«Welcome to Hell»

Höllen-Krawalle am G20-Gipfel mit 76 Verletzten ++ heute reist Ueli Maurer an

Nach den heftigen Zusammenstössen zwischen G20-Gegnern und der Polizei ist es in Hamburg in der Nacht weitgehend ruhig geblieben. Am Vormittag soll das Treffen der grossen Wirtschaftsmächte beginnen. Die Gegner kündigten weitere, gewalttätige Proteste an.

Die Polizei hatte während und nach der Autonomen-Kundgebung "Welcome to Hell" am Donnerstagabend Wasserwerfer eingesetzt, gewalttätige Demonstranten warfen Flaschen auf die Beamten. In einigen Strassen der Innenstadt brannten Barrikaden, Schaufenster wurden eingeschlagen. Die Polizei sprach von mindestens 76 verletzten Beamten, einer der "Welcome to Hell"-Initiatoren von "zahlreichen" Verletzten auf Seiten der Demonstranten.

Etwa 1000 Vermummte hatten sich nach Angaben der Polizei unter die rund 12'000, überwiegend friedlichen Demonstranten gemischt. Die Beamten stoppten den Zug kurz nach dem Start und setzten Pfefferspray sowie Wasserwerfer ein.

Aus den Reihen der Demonstranten flogen Flaschen, Feuerwerk wurde gezündet. Die Menge wurde auseinandergetrieben. An vielen Orten in der Innenstadt gab es anschliessend Scharmützel, kleinere Barrikaden wurden errichtet und angezündet.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilte die Strategie der Polizei. "Es ist offenkundig, dass diese Demonstration nach dem Willen von Polizei und Senat nie laufen sollte", sagte Roland Süss vom landesweiten Attac-Koordinierungskreis.

Isolierung der Gewalttätigen misslungen

Ein Polizeisprecher sagte: "Eine Vermummung in einem Aufzug ist ein Verstoss gegen das Versammlungsgesetz und wird von uns nicht geduldet." Man habe versucht, den "Schwarzen Block" der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen - dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Dies sei aber nicht gelungen.

Aus der Menschenmenge lösten sich anschliessend immer wieder einzelne Gruppen, die in Nebenstrassen verschwanden. Gewalttäter rüsteten sich laut Polizei mit Gerüstteilen und Steinen aus und zündeten weiterhin Gegenstände an. Im Stadtteil Altona gingen Schaufensterscheiben zu Bruch.

Begonnen hatte die Aktion gegen den G20-Gipfel friedlich am Hamburger Fischmarkt, wo Musik gespielt und Reden gehalten wurden. Die Demonstration sollte von dort aus über die Reeperbahn bis etwa 300 Meter an die Messehallen heran gehen. Keine andere Demonstration darf dem G20-Tagungsort in den Messehallen näher kommen.

Merkel berät sich mit Trump

Nach der Ankunft von US-Präsident Donald Trump in Hamburg berieten er und Kanzlerin Angela Merkel in einem gut einstündigen Treffen zentrale Streitthemen. Ein deutscher Regierungssprecher sagte, darüber hinaus seien aussenpolitische Brennpunkte wie Nordkorea, die Lage im Mittleren Osten und der Konflikt in der Ostukraine zur Sprache gekommen.

Inwieweit Merkel und Trump auch über den Konflikt beim Klimaschutz sprachen, blieb offen. Die Unterredung zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitag soll ausgerechnet dann stattfinden, wenn in grosser G20-Runde über den Klimaschutz beraten wird. Trump will aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen. Damit ist eine - wie sonst üblich - einmütig verabschiedete Gipfelerklärung fraglich.

Ob Trump beim Klima-Thema in der G20-Runde isoliert wird, war zunächst noch unklar. In einem Entwurf für die Abschlusserklärung, welcher der Nachrichtenagentur dpa vorlag, ist der Dissens der anderen 19 zu Trump festgeschrieben. Bleibt es dabei, wäre das für die sonst um Einheit bemühte Staatengruppe ungewöhnlich.

Schwieriges Treffen mit Erdogan

Merkel traf am Abend auch mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zusammen. Der Wunsch nach dem bilateralen Treffen war von türkischer Seite geäussert worden. Die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara sind derzeit belastet, unter anderem wegen der Inhaftierung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in der Türkei. Berlin fordert seine Freilassung.

Zum Ärger Erdogans hatte die deutsche Regierung ihm vor wenigen Tagen einen Redeauftritt vor Landsleuten in Deutschland am Rande des G20-Gipfels verweigert.

Der G20-Gipfel der grossen Industrie- und Schwellenländer, zu denen auch die Türkei gehört, findet am Freitag und Samstag mit Merkel als Gastgeberin statt. Die Gruppe der 20 (G20) repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und 80 Prozent der globalen Wirtschaftskraft. Noch nie fand ein Gipfeltreffen in Deutschland statt, an dem mit China, Russland und den USA alle der mächtigsten Länder der Welt teilnehmen.

Polizeikontrollen beim Sonderzug an den G20-Gipfel ab Badischer Bahnhof Richtung Hamburg:

Hohe Sicherheitskontrollen für Aktivisten auf dem Weg zum G20-Gipfel

Hohe Sicherheitskontrollen für Aktivisten auf dem Weg zum G20-Gipfel

Basel - 05.07.17 - Für den G20-Gipfel vom kommenden Wochenende reisen zehntausende Demonstranten nach Hamburg. Von Basel aus startete am Mittwoch ein Sonderzug mit G20-Gegnern aus der Schweiz. Die Aktivisten wurden im Badischen Bahnhof in Basel einer minuziösen Polizei-Kontrolle unterzogen. In Hamburg selber sind rund 20'000 Polizisten im Einsatz um Grössen der Weltpolitik wie den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und den chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu schützen.

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