Frankreich - Ruanda

Historischer Frankreich-Besuch von Ruandas Staatspräsident Kagame

Erster offizieller Besuch in Frankreich seit dem Genozid von 1994 in Ruanda: Paul Kagame (Archiv)

Erster offizieller Besuch in Frankreich seit dem Genozid von 1994 in Ruanda: Paul Kagame (Archiv)

Nach jahrelangen diplomatischen Spannungen hat Ruandas Präsident Paul Kagame erstmals seit dem Völkermord in seinem Land 1994 einen offiziellen Besuch in Frankreich angetreten. Er traf nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP am Sonntagnachmittag in Paris ein.

Beide Länder hatten erst vergangenes Jahr ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen, nachdem sie sich zuvor gegenseitig Mitverantwortung für den Genozid vorgeworfen und komplexe juristische Verfahren eingeleitet hatten.

Die Beziehungen waren 2006 ausgesetzt worden, als ein französischer Untersuchungsrichter Haftbefehle gegen mehrere ruandische Politiker ausgestellt hatte. Er verdächtigte sie der Beteiligung am Anschlag gegen den früheren ruandischen Präsidenten Juvénal Habyarimana 1994, der zum Auslöser des Völkermords wurde.

Ruanda dagegen hatte einen Bericht veröffentlicht, in dem ausser französischen Militärs auch der damalige und heutige Aussenminister Alain Juppé belastet wird. Juppé wird während Kagames Besuch im Ausland weilen.

Fehler eingeräumt

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, der Kagame am Montag empfangen wird, hatte vergangenes Jahr in Ruanda die Annäherung eingeleitet. Mit Blick auf den Genozid hatte er schwere Fehler seines Landes eingeräumt, eine öffentliche Entschuldigung aber vermieden.

1994 waren binnen weniger Wochen mindestens 800'000 Tutsi und gemässigte Hutu getötet worden. Viele Opfer wurden mit Macheten zerstückelt oder lebendig verbrannt.

Eine von Kagame geführte Exilarmee hatte mit ihrem Einmarsch aus Uganda den Massenmord beendet und den afrikanischen Kleinstaat seitdem in den Augen vieler Beobachter zu einer Art Musterland gemacht. In jüngster Zeit häuft sich jedoch internationale Kritik vor allem wegen seines autoritären Umgangs mit der Opposition.

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