Kamala Harris

Hindu-Tempel, Kinderbücher, Pädophilen-Jägerin: Diese sieben Dinge müssen Sie über die erste US-Vizepräsidentin wissen

Kamala Harris ist die erste Vizepräsidentin in der 250-jährigen US-Geschichte.

Kamala Harris ist die erste Vizepräsidentin in der 250-jährigen US-Geschichte.

Kamala Harris ist die erste US-Vizepräsidentin der Geschichte – und die wahrscheinlich mächtigste Frau der Welt. Doch die 56-Jährige ist nicht nur in politischen Belangen eine Überfliegerin.

«Taff. Prinzipientreu. Furchtlos.» So beschreibt sich Kamala Harris selbst. Und diese Attribute werden der Kalifornierin in ihrem neuen Job zweifellos helfen. Die 56-Jährige zieht am 20. Januar mit Joe Biden nach Washington und wird die engste Beraterin und Vertraute des Präsidenten sein. Manche glauben, das sei nur der nächste Schritt einer historischen Karriere. Diese 10 Dinge müssen Sie über die US-Vizepräsidentin wissen.

1) Kamala Harris ist noch multikultureller, als es ihr Name vermuten lässt

Harris‘ Mutter Shyamala Gopalan wanderte mit 19 aus dem südindischen Bundesstaat Tamil Nadu in die USA aus und lernte dort den Austauschstudenten Donald Harris aus Jamaika kennen. Sie wurde Brustkrebsspezialistin, er Wirtschaftsprofessor. Die Eltern versuchten, den beiden Töchtern Kamala (Sanskrit für «Lotusblüte») und Maya (die heute als Fernsehkommentatorin für MSNBC arbeitet) ihre jeweiligen Kulturen näherzubringen. Kamala und Maya sangen in der christlichen Kirche ihres Vaters im Kirchenchor und besuchten nebenher mit ihrer Mutter regelmässig einen Hindu-Tempel.

Die Bewohner im südindischen Dorf Thlasendrapuram haben Grund zum Feiern: Kamala Harris' Grossvater ist hier aufgewachsen.

Die Bewohner im südindischen Dorf Thlasendrapuram haben Grund zum Feiern: Kamala Harris' Grossvater ist hier aufgewachsen.

2) Sie hat ein kompliziertes Verhältnis zu Joe Biden

Kamala Harris bewarb sich 2019 selber als Präsidentschaftskandidatin und stieg erst im Dezember aus dem Rennen aus. Bei der allerersten TV-Debatte der demokratischen Anwärter auf das höchste Amt Amerikas ging sie scharf mit Biden ins Gericht. Sie unterstellte ihm, einst mit Politikern zusammengearbeitet zu haben, die die Rassentrennung unterstützen. Zudem warf sie ihm vor, sich gegen Gesetze ausgesprochen zu haben, die rassengemischte Schulen in den USA begünstigt hätten.

Bei der ersten TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten lieferten sich Joe Biden und Kamala Harris 2019 hitzige Debatten.

Bei der ersten TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten lieferten sich Joe Biden und Kamala Harris 2019 hitzige Debatten.

Joe Biden hat es ihr nicht übel genommen – im Gegenteil. Auf den Schlagabtausch angesprochen sagte er später, das habe doch nur gezeigt, wie taff Harris sei. Nachdem sich Harris im Dezember aus dem Rennen genommen hatte, zögerte sie anfänglich, Bidens Kandidatur zu unterstützen. Erst im März – sechs Tage nach den Vorwahlen in ihrem Heimatstaat Kalifornien – stellte sie sich hinter den 77-Jährigen. Biden handkehrum unterstützte Kamala Harris bereits 2016 tatkräftig, als sie für den US-Senat kandidierte – vielleicht auch deshalb, weil sein 2015 verstorbener Sohn Beau (Wie Harris ein Staatsanwalt) gut mit Kamala Harris befreundet war.

3) Als Staatsanwältin legte sie sich mit Strassengangs, Grossbanken und Kinderschändern an

Harris, die an der Howard University in Washington D.C. Politikwissenschaft und Wirtschaft und danach in San Francisco auch noch Rechtswissenschaften studiert hat, wurde 2004 zur Staatsanwältin von San Francisco gewählt und 2011 zur Staatsanwältin Kaliforniens befördert. Sie machte sich landesweit einen Namen als taffe Strafverfolgerin, nicht zuletzt wegen ihrem harten Durchgreifen gegen Kindsmissbrauch, umstrittene Tätigkeiten von Grossbanken und intransparente Tech-Giganten.

Harris führte zudem harsche Strafen für Eltern ein, deren Kinder die Schule schwänzten. Ohne Bildung hätte niemand eine Chance im Leben, sagte Harris. Sie setzte sich gegen die Todesstrafe ein, griff hart durch gegen mexikanische Strassengangs in Südkalifornien und lancierte eine Kampagne gegen Gewalt an Homosexuellen. Das «Time Magazin» nahm Harris bereits 2013 auf die Liste der 100 einflussreichsten Personen der Welt. Die Staatsanwältin wurde zwischenzeitlich als zukünftige Richterin am Supreme Court gehandelt, machte jedoch deutlich, dass sie sich nicht für diese Stellen interessierte.

Als Senatorin nutzte sie ihre Erfahrung als Strafverfolgerin wiederholt für verhörartige Befragungen von Kandidaten für hohe Staatsämter: etwa in der Anhörung von Brett Kavanaugh, der ins höchste Gericht der USA nachrücken sollte und der sich mit Vergewaltigungsvorwürfen aus seiner College-Zeit konfrontiert sah.

4) In ihrer Freizeit liest sie Rezepte – und schreibt Kinderbücher

Kamala Harris sagt über sich selbst:

Statt sich in ihrer Freizeit zurückzulehnen, steigt die 56-Jährige täglich aufs Velo oder schwitzt auf dem Laufband. Trainieren sei nicht nur wichtig für den Körper, sondern vor allem für den Verstand, sagt Harris. Daneben liest sie gelegentlich in Rezeptbüchern und versucht sich als Autorin. Nebst zwei autobiographischen Wälzern hat Harris kürzlich ihr erstes Kinderbuch auf den Markt gebracht: «Superhelden gibt’s überall» heisst das Werk, aus dem die Autorin auch gerne selber vorliest.

5) Sie hat am eigenen Leib erlebt, was Rassismus bedeutet

Kamala Harris wuchs in Berkeley auf.

Kamala Harris wuchs in Berkeley auf.

Als Schulmädchen in Kalifornien gehörte Kamala Harris in den 1970er Jahren zu den ersten schwarzen Kindern, die mit Bussen aus den Schwarzenvierteln in zuvor vorwiegend von Weissen besuchte Schulen chauffiert wurden. Mit dem sogenannten «Busing» wollte die US-Regierung ein Ende der rassengetrennten Schulen herbeiführen.Zuhause aber spürte Kamala Harris tagtäglich, dass sie als schwarzes Mädchen anders war. Die weissen Nachbarn liessen ihre Kinder nicht mit Kamala und ihrer Schwester spielen. Als Studentin hat Harris später Protestmärsche gegen das südafrikanische Apartheid-Regime organisiert.

Als Staatsanwältin setzte sich für Rassismus-Sensibilisierungsprogrammefür Polizisten ein. Bei den diesjährigen Black-Lives-Matter-Protesten hat sie sich in Washington D.C. unter die Demonstranten gemischt – just einen Tag, bevor Donald Trump Bundespolizisten auf die Protestmasse hetzte, um ungestört mit einer Bibel vor einer Kapelle posieren zu können.

6) Sie wohnt in einer Fünf-Millionen-Villa in Los Angeles

Kamala Harris und ihr Ehemann Doug Emhoff.

Kamala Harris und ihr Ehemann Doug Emhoff.

Kamala Harris ist im kalifornischen Berkeley aufgewachsen und hat als Schülerin nach der Trennung ihrer Eltern ein paar Jahre lang bei ihrer Mutter im kanadischen Montréal gelebt. Heute wohnt sie mit ihrem Mann Douglas Emhoff und den beiden Stiefkindern in einer Fünf-Millionen-Villa im Nobelviertel Brentwood in Los Angeles. Im Garten hinter dem Haus gibt’s einen pilzförmigen Pool.

7) Als Vizepräsidentin wird sie mehr Einfluss haben als alle ihre Vorgänger

Bei der TV-Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten trat Harris gegen ihren Vorgänger Mike Pence an.

Bei der TV-Debatte der Vizepräsidentschaftskandidaten trat Harris gegen ihren Vorgänger Mike Pence an.

Joe Biden ist bei seiner Amtseinsetzung am 20. Januar 2021 78 Jahre alt, so alt wie kein anderer amtierender Präsident in der US-Geschichte je war. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Biden 2024 nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren wird. Das gibt seiner Vizepräsidentin die Chance, als aussichtsreiche Kandidatin selber für das höchste Amt Amerikas zu kandidieren. Kamala Harris wäre automatisch in der Pole Position. Bis dahin aber wird sie noch viel zu tun haben. Joe Biden hat ihr versprochen, was einst auch Barack Obama seinem damaligen Vize versprach:

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