Uli Hoeness hat zweieinhalb Monate nach seiner Verurteilung wegen Steuerhinterziehung seine Haft in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech angetreten. Der frühere Präsident des FC Bayern München ist zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Münchner Landgericht hatte Hoeness am 13. März in sieben Fällen der Steuerhinterziehung schuldig gesprochen und zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Der Fussball-Manager hatte dem Fiskus mit einem Geheimkonto in der Schweiz mindestens 28,5 Millionen Euro Steuern vorenthalten. Seine Selbstanzeige im Januar 2013 wertete das Gericht als unzureichend.

Als sogenannter Selbststeller, der nicht aus der Untersuchungshaft ins Gefängnis muss, konnte sich Hoeness innert einer Zwei-Wochen-Frist den Tag für den Antritt der Haftstrafe selber aussuchen. Einen Tag nach dem Urteilsspruch hatte der 62-Jährige erklärt, er werde die Haftstrafe akzeptieren und auf eine Revision verzichten. Daraufhin liess auch die Staatsanwaltschaft die Revision fallen. Hoeness trat zudem als Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern zurück.

Zunächst muss Hoeness seine Strafe im sogenannten geschlossenen Vollzug absitzen. Der offene Vollzug beginnt üblicherweise 18 Monate vor dem voraussichtlichen Haft-Ende. Hoeness könnte bei guter Führung nach Verbüssung von zwei Dritteln seiner Strafe entlassen werden, also nach zwei Jahren und vier Monaten. Das wäre im Herbst 2016.

Zieht man davon die 18 Monate ab, dürfte Hoeness bereits nach rund 10 Monaten geschlossenem Vollzug, also im nächsten Frühjahr, mit spürbar gelockerten Haftbedingungen rechnen können. Ausgang, Urlaub und Freigang würden dazugehören. Freigänger kehren abends in die Zelle zurück. Tagsüber gehen sie in relativer Freiheit einer geregelten Arbeit nach.

Hoeness akzeptierte zwar die Haftstrafe als solche. Er war aber juristisch gegen die Verbüssung der Haft im Gefängnis von Landsberg am Lech vorgegangen. Er sah seine Privatsphäre verletzt, weil die Justiz Ende März mehr als 150 Journalisten das dortige Gefängnis gezeigt und sogar Haftzellen geöffnet hatte. Ausserdem befürchtete der prominente Gefangene, dass Mithäftlinge oder Justizbeamte Details vom Alltag hinter Mauern des ehemals wohl mächtigsten Mannes im deutschen Fussball ausplaudern könnten. Sein Antrag auf Absitzen der Haftstrafe in einem anderen Gefängnis wurde aber offensichtlich abgewiesen.

Möglicherweise wird Hoeness schon bald in die Aussenstelle Rothenfeld des Landsberger Gefängnisses im Landkreis Starnberg verlegt. Der Gutsbetrieb dient seit 1995 als arbeitstherapeutische Einrichtung. Hohe Mauern und Stacheldraht sucht man vergebens. Die Insassen können sich im Gelände frei bewegen. Zwischen 10 und 15 Gefangene versorgen dort an die 1200 Rinder, Ziegen, Damwild und Geflügel oder helfen bei der Arbeit im Gemüsegarten und im Wald.

Doch zunächst sitzt er in Landsberg. Eine Zelle in dem über 100 Jahre alten Gefängnis misst acht Quadratmeter und beinhaltet Tisch, Bett, Stuhl, Waschbecken, Toilette und Spind. Als Luxus steht ein TV-Gerät zur Verfügung, allerdings ohne Bezahl-Sender. Mehr steht den Häftlingen nicht zu, Handy und Laptop sind tabu.