Nur einen Tag nach den Bundesratsersatzwahlen traf Bundespräsidentin Doris Leuthard in New York auf ihren Vorgänger im Bundesrat. An der UNO-Versammlung in New York, die von Joseph Deiss präsidiert wird, begrüssten sie sich die beiden herzlich.

Leuthard rief die Versammlung auf, ihre Verantwortung für eine bessere Welt wahrzunehmen. Es reiche nicht, Reissäcke aus Helikoptern abzuwerfen, man müsse den Menschen zeigen, wie Reis angebaut werde, sagte sie.

«Wir müssen vermeiden, dass die UNO zu einem historischen Monument wird», sagte Leuthard vor den Vertretern aus 192 Mitgliedstaaten. «Wir müssen sie in eine dynamische Organisation verwandeln.»

Die UNO sei die einzige Organisation, welche die Legitimität habe, alle Nationen und Völker zu repräsentieren. Gruppen wie die G- 20 hätten zwar schneller Lösungen bereit, ihre Beschlüsse seien aber nicht repräsentativ für alle, sagte Leuthard nach der Rede vor Medienvertretern.

Sie forderte weiter, dass die UNO wirksamer werde. Die Schweiz könne mitarbeiten, indem sie als Vermittler und Brückenbauer diene, selber aber auch konkrete Ideen einbringe und den Mut habe, Missstände zur Sprache zu bringen.

Zu Tisch mit Obama

Im Mittelpunkt stand die Schweiz auch beim traditionellen Mittagessen, zu dem Generalsekretär Ban Ki-Moon eingeladen hatte. Leuthard sass mit Obama, dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao und dem Gastgeber am Tisch.

Den Ehrenplatz verdanke sie dem Umstand, dass Deiss als Präsident der Generalversammlung amte, sagte Leuthard gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Die Schweiz sei sehr stolz auf den alt Bundesrat. Das Land erhalte durch seine Tätigkeit eine viel höhere Visibilität, sagte die Bundespräsidentin.

Schweiz unterstützt Deiss

Am Nachmittag wollte sich Leuthard mit Deiss zu einem Gespräch treffen. Dabei gehe es darum, wie die Schweiz dem Generalversammlungs-Präsidenten hilfreich zur Seite stehen könne, ohne Einfluss auf seine Agenda zu nehmen.

Mit der globalen Regierungsführung habe Deiss ein Thema gewählt, das auch im Interesse der Schweiz sei, sagte die Wirtschaftsministerin. Weiter standen bilaterale Treffen mit Amtskollegen aus Kirgistan und Ungarn auf dem Programm der Bundespräsidentin.

Am Abend wollte Leuthard in die Schweiz zurückfliegen. Sie freue sich über die Wahl ihrer neuen Bundesratskollegen Simonetta Sommaruga und Johann Schneider-Ammann, sagte die Bundesratspräsidentin in New York.

«Ich kenne beide gut, sie bringen viel Erfahrung und ein grosses Beziehungsnetz mit.» Sie zeigte sich überzeugt, dass die Zusammenarbeit mit den beiden von Anfang an fruchtbar sein werde. (sda/dno)