Mischte sich SVP-Nationalrat und «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel unter die Neonazis in Chemnitz? Am Wochenende ist Köppel nach Chemnitz gereist. Auf Twitter kursierte bald ein Bild, das ihn neben Neonazi-Musikproduzent Yves Rahmel zeigte, das sorgte für Aufruhr. 

In der ostdeutschen Stadt sind die Menschen nach einer tödlichen Messerattacke auf einen 35-jährigen Deutschen seit Tagen in Aufruhr. Als Tatverdächtige sitzen ein Iraker und ein Syrer in Untersuchungshaft.

Als Journalist habe er sich vor Ort ein Bild machen wollen, rechtfertigte sich Köppel Anfang Woche, gesprochen habe er von links bis rechts mit allen.

«Die verquere Welt der Journalisten»

Am Dienstag lud ihn Tele-Züri-Chefredaktor Markus Gilli zum Interview, das am Abend im Rahmen der Sendung «TalkTäglich» ausgestrahlt worden ist (Video oben). 

Auf die Frage Gillis, in welcher Funktion er in Chemnitz war, reagiert Köppel erst mit:«Was ist denn das für eine Frage?» Als Journalist sei er dort gewesen, alles andere entstamme der «verqueren Welt der Journalisten». Er habe gelernt, selber vor Ort zu gehen, statt als «Stubenhocker-Journalist» etwas abzuschreiben.

Die Anschuldigungen auf Twitter seien «Fake-News» – Neonazi Rahmel stehe nicht neben ihm, sondern hinter ihm, mit abgewandtem Kopf. 

«Ein extremes Unbehagen»

Gespürt habe er nach Gesprächen mit Menschen «aus allen politischen Lagern» ein «weit verbreitetes, extremes Unbehagen gegenüber der Politik in Berlin». Unglaublich sei da die «Unfähigkeit dieses hochgerüsteten, modernen deutschen Staats», mit diesen unzufriedenen Menschen zu kommunizieren.

Live in der Sendung «TalkTäglich» zu Chemnitz war am Dienstagabend der ehemalige ARD-Korrespondent Hans-Jürgen Maurus. «Der Wecker läutet nicht, der Wecker schrillt», sagte er zu den Vorkommnissen in Chemnitz. «Wenn die Bewegungen von militanten Gruppierungen herüberschwappen etwa in den Hooligan-Bereich, dann muss man das sehr ernst nehmen. Dann ist der Staat herausgefordert.»

Chemnitz: «Der Wecker schrillt»

Chemnitz: «Der Wecker schrillt»

Einschätzungen des ehemaligen ARD-Korrespondenten Hans-Jürgen Maurus in der Sendung TalkTäglich.

«Beschuldigungen statt Analysen»

Auch er spricht von einer «grossen Anzahl unzufriedener, verunsicherter Bürger, die in Chemnitz mitmarschiert sind.» Und dies seien eben nicht alles Neonazis oder Hooligans.

Die Debatte in und vor allem über Chemnitz habe sich wegbewegt von dem eigentlichen Ereignis. «Man beschuldigt sich gegenseitig und kommt überhaupt nicht zu einer sachlichen Analyse dessen, was hier eigentlich passiert ist.»

Einen konstruktiven Ansatz – und das sei das einzige, das jetzt aus seiner Sicht helfen würde – den sieht Hans-Jürgen Maurus «im Moment überhaupt nicht».

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Hans-Jürgen Maurus und Roger Köppel in voller Länge:

Neonazi-Proteste in Chemnitz

(smo)