Ägypten

Heisser Kampf um den Nil: Der äthiopische Friedensnobelpreisträger droht Ägypten mit Krieg

Der Nil: umkämpftes Wasser.

Der Nil: umkämpftes Wasser.

Äthiopien will den Nil stauen, Ägypten fürchtet um seine Trinkwasservorräte. Jetzt sollen die USA vermitteln.

Die Rede schlug in Kairo ein wie eine Bombe: «Keine Macht der Erde wird uns hindern, den Renaissance-Damm fertig zu bauen», sagte der äthiopische Regierungschef und frisch gekürte Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed Ende Oktober und fügte hinzu: «Sollte es Krieg geben, können wir Millionen Soldaten mobilisieren.»

Ägypten reagierte schockiert und nannte die Äusserungen «unakzeptabel». Ahmed schob nach, eine Einigung durch Gespräche sei selbstverständlich vorzuziehen.

Doch nach einem baldigen Ende der Anspannung sieht es nach wie vor nicht aus. Seit Jahren drehen sich die Verhandlungen über den Grossen Äthiopischen Renaissance-Damm im Kreis. Mittlerweile drängt die Zeit, denn das 2011 begonnene Mammut-Bauwerk wird im kommenden Jahr fertig. Nun versuchen die USA, die eskalierende Krise im Osten Afrikas zu entschärfen.

Gestern trafen sich die Aussen- und Wasserminister von Äthiopien, Sudan und Ägypten in Washington, um unter amerikanischer Vermittlung miteinander zu sprechen.

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Im Oktober hatte sich am Rande des Afrikagipfels in Sotschi bereits Wladimir Putin als Vermittler versucht und Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi und Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed an den runden Tisch geholt.

Statt auf Putin setzt Al Sisi aber lieber auf Donald Trump als Vermittler. Der starke Mann in Kairo weiss, was dem Chef im Oval Office gefällt. Trump habe «eine einmalige Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen und Lösungen für sie zu finden», sagte Al Sisi.

Turbinen statt Trinkwasser

Und eine Lösung muss dringend her. Denn keiner der Streitpunkte ist entschärft. Das Tempo, mit dem das 73-Milliarden-Kubikmeter-Staubecken des Renaissance-Damms gefüllt werden soll, das jährliche Durchlassvolumen bei Normalbetrieb und das garantierte Mindestvolumen bei Dürre: All das ist ungeklärt. Geht es nach den Vorstellungen Äthiopiens, werden dem Nil im Jahr 2020 zunächst drei Milliarden Kubikmeter Wasser entzogen, um die beiden ersten Turbinen zu testen.

2021 kommen dann weitere zwölf Milliarden Kubikmeter dazu, so dass sich sämtliche 16 Turbinen in Betrieb nehmen lassen. Von 2022 an soll das 4,3 Milliarden Euro teure Becken dann in vier bis fünf Jahren zur Gänze gefüllt werden, um möglichst rasch mit dem geplanten Stromexport nach Afrika beginnen zu können.

Vor allem diese dritte Phase nach 2022 bereitet Ägypten Kopfzerbrechen. Al Sisi verlangt von Äthiopien, die Staubecken weniger rasch zu füllen. Ähnlich weit auseinander liegen auch die Vorstellungen bei den jährlichen Durchlaufmengen. Ägypten hat berechtigterweise Angst, dass Äthiopien den nördlichen Nachbarn den Wasserhahn zudrehen könnte.

98 Millionen Ägypter leben in Wasserarmut

Ohne den Nil geht in Ägypten gar nichts. Im Land der Pharaonen regnet es praktisch nie, ihren Wasserbedarf deckt die Nation zu 90 Prozent aus dem weltberühmten Strom. Eine Verknappung würde Landwirtschaft, Industrie und Millionen Haushalte gleichermassen treffen. Auch neue Riesenprojekte wie die geplante Verwaltungshauptstadt hängen von den Fluten des Nils ab.

Nach internationalem Standard leben die 98 Millionen Ägypter bereits heute in Wasserarmut. Und so liess Staatschef

Al Sisi im September vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen keinen Zweifel daran, dass er Äthiopien niemals erlauben werde, den Damm ohne eine Übereinkunft zu füllen. «Das ist für Ägypten eine Frage der Existenz.»

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