Zwar war es in Hollywood kein Geheimnis, dass der Filmstar aus der Steiermark ein republikanisches Gedankengut pflegte. Aber selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es Stimmen, die fragten, ob der Ex-Bodybuilder als Regierungschef des grössten US-Bundesstaates eine gute Figur machen würde.

Schwarzenegger gelang es, diese Skeptiker zu überzeugen – im Oktober ersetzte er den Demokraten Gray Davis, der mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt wurde. Zu verlieren hatten die Kalifornier wenig: Im Staatsbudget klaffte ein Loch, im Parlament blockierten sich Demokraten und Republikaner, und die Infrastruktur in der grössten Volkswirtschaft in den USA verfiel.

Gestern nun verabschiedete sich der mittlerweile 63-Jährige aus seinem Amt. Und obwohl Schwarzenegger im Wahlkampf 2003 den Mund voll genommen und der Bevölkerung eine muskulöse Amtsführung versprochen hatte, ist der Promi-Politiker weitgehend gescheitert.

Die Budgetkrise? Selbst nach unzähligen Sparrunden klafft im Haushalt Kaliforniens ein Loch von 28 Milliarden Dollar. Die Arbeitslosenrate hat sich bei rekordverdächtigen 12,4 Prozent eingependelt. Die Infrastruktur? Das öffentliche Schulwesen ist in der Krise, die Gefängnisse sind notorisch überfüllt. Das politische Klima? Schlecht wie zuvor.

Natürlich waren die Rahmenbedingungen misslich: Die Finanzkrise, die vor zwei Jahren die US-Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs brachte, war für Kalifornien besonders verheerend – in Teilen des Staates brach der Immobilienmarkt komplett zusammen. Einen grossen Teil der Schuld an seinem Scheitern muss Schwarzenegger aber auf die eigene Kappe nehmen.

Bei seinem Amtsantritt glaubte der Neo-Politiker, er könne mit flapsigen Sprüchen, dicken Zigarren und Schlagzeilen-trächtigen Ankündigungen das System auf den Kopf stellen – als ob es sich beim Politbetrieb um einen Hollywood-Streifen handle. Schwarzenegger beschimpfte demokratische Politiker als «Versager» und «Waschlappen», kündigte an, das demonstrierende Pflegepersonal Kaliforniens «in den Allerwertesten» zu treten und schien sich dabei prächtig zu amüsieren.

Die Quittung folgte umgehend: Das Reformpaket scheiterte 2005 an der Urne. Beim Blick zurück räumte Schwarzenegger ein, dass er sich damals im Ton vergriffen habe. Er sei «zu aggressiv» aufgetreten und habe Warnsignale überhört, sagte er im Abschiedsinterview mit der «Los Angeles Time».

Überraschenderweise erwies sich der Republikaner in der Folge aber als lernfähiger Politiker. Schwarzenegger erfand sich neu, so wie er dies bereits in Hollywood gelernt hatte: In seiner zweiten Amtszeit (2007–11) gab er den Zentristen, der seinen politischen Rückhalt im Lager der Demokraten fand. Er investierte in die Infrastruktur und war treibende Kraft hinter einem für US-Verhältnisse geradezu revolutionären Umweltschutzgesetz.

Selbst die Kommentatoren der «Times», die den «Action-Star» Schwarzenegger anfänglich belächelten, lobten ihn deshalb an seinem letzten Arbeitstag. Und was sagte der «Gouvernator» nach geschlagener Schlacht? «Hasta la vista, baby»? Nein, Schwarzenegger, der nach über 40 Jahren in den USA immer noch mit breitem österreichischem Akzent spricht, gab sich prosaischer: «Es war schwieriger, als ich geglaubt hatte», lautete sein Fazit.