Tribunal Den Haag

Hariri-Prozess: Drei Hisbollah-Angeklagte freigesprochen

Norman Farrell (vorne, r), Chefankläger aus Kanada, nimmt an einer Sitzung des von den Vereinten Nationen unterstützten Sondertribunals teil.

Norman Farrell (vorne, r), Chefankläger aus Kanada, nimmt an einer Sitzung des von den Vereinten Nationen unterstützten Sondertribunals teil.

15 Jahre nach der Ermordung des langjährigen libanesischen Regierungschefs Rafik Hariri hat das Tribunal in Den Haag ein Urteil gefällt.

Mit Kosten von 700 Millionen Dollar war es eines der teuersten Gerichtsverfahren der Weltgeschichte. Sechs Jahre dauerte der Prozess um das Bombenattentat 2005 auf den langjährigen Premierminister Rafik Hariri vor dem «Sondertribunal für den Libanon» in Den Haag. 2641 Seiten lang ist die Urteilsbegründung des Gerichts, welches am Dienstag drei der vier Angeklagten aus Mangel an Beweisen freisprach und einen «des Mordes an 22 Menschen, des versuchten Mordes an 226 Menschen und einer Terrortat» für schuldig befand. Das Strafmass wird zu einem späteren Zeitpunkt verkündet.

«Die Mordtat war sorgfältig geplant und ausgeführt», sagte der Vorsitzende Richter David Re. Trotzdem sah das elfköpfige Tribunal keine ausreichenden Beweise, um drei der vier Angeklagten zweifelsfrei als Mittäter zu überführen oder hochrangige Hintermänner dieses politischen Verbrechens in den Reihen von Hisbollah oder des Assad-Regimes zu identifizieren.

Von den fünf angeklagten Hisbollah-Beschuldigten, gegen die alle in Abwesenheit verhandelt wurde, leben noch vier. Mustafa Badreddine organisierte nach Überzeugung des Gerichts die Überwachung von Hariri und die Vorbereitung des Bombenanschlags. Der Hisbollah-Kommandeur wurde jedoch im Mai 2016 bei Kämpfen in Syrien getötet und das Strafverfahren gegen ihn eingestellt. Die Mordoperation vor Ort leitete der 56-jährige Salim Ayyash. Er sei eine Kernfigur der Verschwörung gewesen, erklärte das Gericht. Seine Strafe jedoch wird er wohl niemals antreten müssen. Die Hisbollah versteckt ihn, sein Aufenthaltsort ist bis heute unbekannt.

Viele Beiruter waren damals am 14. Februar 2005 gerade beim Mittagessen, als unweit vom Hafen drei Tonnen Sprengstoff auf der Ladefläche eines weissen Mitsubishi-Canter explodierten. Der Selbstmordanschlag galt dem Konvoi von Rafik Hariri. Der 61-jährige Ex-Premier war sofort tot. Mit ihm starben 21 Menschen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1