USA

Happige Vorwürfe: Hat Joe Biden eine Frau sexuell belästigt?

Präsidentschaftskandidat Joe Biden bei einem seiner letzten Auftritte vor der Coronakrise.

Präsidentschaftskandidat Joe Biden bei einem seiner letzten Auftritte vor der Coronakrise.

Tara Reade arbeitete 1993 als Assistentin für den damaligen Senator und erhebt schwere Vorwürfe. Ein neues Video stärkt ihr den Rücken.

Die Vorwürfe gegen Joe Biden, den voraussichtlichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten, sind happig: Im Frühjahr 1993 soll er in den Gängen von Amerikas Machtzentrum die damals 29-jährige Tara Reade bedrängt und sexuell belästigt haben. Die heute 56-jährige Frau arbeitete von Dezember 1992 bis August 1993 im Washingtoner Büro von Biden, der damals den Bundesstaat Delaware im Senat vertrat.

Eines Tages habe sie Senator Biden im Bürokomplex des amerikanischen Parlaments gegen eine Wand gedrückt, ihren Hals und ihr Haar geküsst und sie zu verführen versucht. «Seine Hände waren überall, und alles geschah sehr schnell», sagte Reade der «New York Times». Dann habe er unter ihren Rock gegriffen und sie mit seinen Fingern penetriert. Als sie versucht habe, sich ihm zu entziehen, habe er eingehalten und sie für ihre Zurückweisung beleidigt.

Reade sagt, sie habe sich nach dem Zwischenfall bei ihren Vorgesetzten gegen Senator Biden beschwert. Weil diese keine Massnahmen ergriffen, habe sie eine Beschwerde beim Personalbüro des Senats eingereicht. Dann sei sie kaltgestellt worden. Wenig später verliess Reade das Büro des Senators und kehrte nach Kalifornien zurück. Auf eine Strafanzeige bei der Polizei verzichtete sie.

Bringt ein Video von 1993 Biden in Bedrängnis?

Landesweit publik wurde der Vorfall deshalb erst vor einem Monat, als Reade in einem Podcast einer linken Aktivistin darüber sprach. Am 9. April setzte Reade dann, 27 Jahre nach dem angeblichen sexuellen Übergriff, die Stadtpolizei von Washington in Kenntnis. Weil der Vorfall verjährt wäre, falls er sich wirklich zugetragen haben sollte, wollte Reade mit der Eingabe primär sicherstellen, dass die Behörden offiziell darüber Bescheid wüssten, falls ihr etwas zustosse.

An Reades Schilderungen bestanden erhebliche Zweifel. Mehrere ihrer engen Mitarbeiterinnen von damals betonten, sie könnten sich nicht daran erinnern, dass Reade sich je über Bidens angebliches Fehlverhalten beklagt habe. Reade selber sagt, sie habe damals nicht nur mit ihrer Mutter, sondern auch mit mehreren Freunden und ihrem Bruder über den Zwischenfall gesprochen.

Am Wochenende nun tauchte ein neues Indiz auf, das Reade den Rücken stärkt. Am 11. August 1993 ging bei CNN-Talkshow-Host Larry King ein anonymer Anruf einer Frau ein, die von ihrer Tochter erzählte, die in Washington «Probleme» mit einem «prominenten Senator» gehabt habe und nun nicht wisse, was sie nun tun könne.

Kings Replik: «In anderen Worten, sie hatte eine Geschichte zu erzählen, aber weil sie die Person respektierte, für die sie arbeitete, erzählte sie sie nicht?» Das stimme, erwiderte die Frau. Bei der Anruferin handelte es sich laut Tara Reade um ihre inzwischen verstorbene Mutter.

Weder Biden noch Trump äussern sich zum Vorwurf

Joe Biden hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäussert. Seine Sprecherin betonte aber, Reade erzähle nicht die Wahrheit. Biden habe sich während seiner politischen Karriere ausserdem immer wieder für Frauenanliegen eingesetzt, sagen Bidens Vertraute.

Auch wenn das stimmt: Biden wurde immer wieder dafür kritisiert, dass er die Intimsphäre von Frauen verletze, indem er sie an den Schultern berühre oder ihr Haar streichle. Dafür entschuldigte er sich im vorigen Jahr.

Der Wahlkampfstab von Präsident Donald Trump hat die Vorwürfe gegen Biden bisher nicht instrumentalisiert. Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass gegen Trump in der Vergangenheit ähnliche Vorwürfe erhoben worden sind.

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