Plagiatsvorwurf

Guttenberg: Doktoranden fordern Respekt vor wissenschaftlicher Arbeit

Kritik an Verteidigungsminister Guttenberg wächst

Kritik an Verteidigungsminister Guttenberg wächst

Der Plagiatsvorwurf von Karl Theodor zu Guttenberg ist noch nicht vom Tisch. Wissenschaftler beschweren sich in einem offenen Brief bei Bundeskanzlerin Merkel. Die FDP stellt dem Verteidigungsminister ein Ultimatum.

Letzten Mittwoch musste Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) seinen Kollegen im Bundestag zum Plagiatsvorwurf Red und Antwort stehen. Der Verteidigungsminister verteidigte und entschuldigte sich. Er habe «offensichtlich eine sehr fehlerhafte Arbeit geschrieben.»

Guttenberg sah den Vorwurf als nicht gerechtfertigt. «Ein Plagiat setzt voraus, dass man bewusst, und vorsätzlich getäuscht habe.» Dies treffe beim ihm nicht zu. Er habe lediglich «einen entscheidenden Fehler gemacht». Besser gesagt: «In der Fussnotenarbeit sind mit an zwei Stellen Fehler passiert», so der angeschlagene Minister.

«Akademischer Hochstapler und Lügner»

Eine Entschuldigung genügte der Opposition jedoch nicht. Die Bundesregierung würde die Täuschung bagatellisieren und offensichtlich als Kavaliersdelikt hinstellen, sagte Kai Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) im Bundestag.

Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, war mit der Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht einverstanden, dass ein «akademischer Hochstapler und Lügner weiterhin dem Kabinett angehören darf».

Offener Brief von Doktoranden

Diese Meinung vertreten auch über 25‘000 Doktoranden und deren Unterstützer. Sie unterzeichneten bisher einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin, in dem sie Guttenbergs Doktorarbeit als «massive, systematische Täuschung» bezeichnen.

Das Verhalten von Angela Merkel finden sie erschütternd und unverständlich: «Wir haben den Eindruck, dass Sie mit aller Macht versuchen, einen Minister zu halten, der trotz massiver Gegenbeweise immer noch die Behauptung aufrecht erhält, er habe in seiner Doktorarbeit nicht bewusst getäuscht», steht im Brief, formuliert von Doktorand Tobias Bunde.

FDP setzt Ultimatum

Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg gerät selbst in den eigenen Reihen zunehmend unter Druck. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat vor SPD-Abgeordneten erklärt, die Affäre und ihre Begleitumstände seien «ein Sargnagel für das Vertrauen in unsere Demokratie», schreibt «Welt Online».

Der FDP-Politiker Martin Neumann gibt dem Minister noch «eine, maximal zwei Wochen Zeit», um die Täuschungsvorwürfe aus dem Weg zu räumen. Schaffe er dies nicht, müsse er zurücktreten.

Guttenberg bleibt beliebter Politiker

Guttenbergs Glaubwürdigkeit ist angekratzt. Nichtsdestotrotz steht er bei den Deutschen immer noch hoch im Kurs. Wie eine am Freitag veröffentlichte Erhebung des ZDF zeigte, bleibt Guttenberg trotz der Affäre um seine Doktorarbeit an der Spitze der beliebtesten Politiker in Deutschland.

Auch seine Fans auf Facebook lassen sich nicht beirren. Die Gruppe «Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg» zählt mittlerweile bereits über 300‘000 Mitglieder. (lds)

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