Sex als Folter – im amerikanischen Gefangenenlager Guantanamo ist dies perfide Realität. Das erfuhr auch Mohamedou Ould Slahi. Der Mauretanier mit der Gefangenennummer 760 ist seit zwölf Jahren in Guantanamo eingesperrt – dies obwohl keine Anklage gegen ihn vorliegt und ein Richter im Jahr 2010 entschied, dass ihm keine Unterstützung der Attentäter auf Twin Towers 2001 nachgewiesen werden kann.

Sein 460 Seiten umfassendes Tagebuch, welches er im Sommer 2005 schrieb und dessen Freigabe seine Anwälte 2012 erstritten haben, erscheint heute.

Der Bruder von Mohamedou Ould Slahi und Anwältin Nancy Hollander bei der Vorstellung des Tagebuchs am 20. Januar in London.

Der Bruder von Mohamedou Ould Slahi und Anwältin Nancy Hollander bei der Vorstellung des Tagebuchs am 20. Januar in London.

Ein Dreier wider Willen

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hat in seiner Ausgabe vorab einige Auszüge zusammengefasst. Slahi erzählt, wie er von weiblichen US-Beamtinnen zum Sex gezwungen wurde. Sie sagten ihm: "Okay, dann geben wir dir heute eine Lektion in tollem amerikanischem Sex." Die beiden Frauen nötigten ihn, "in absolut entwürdigender Weise bei einem Dreier mitzumachen", so Slahi. Auch hätten sie diverse Obszönitäten von sich gegeben, welche Slahi nicht im Wortlaut wiedergeben wollte. Dies habe er von mittags bis abends um zehn anhören müssen, schreibt «Der Spiegel».

Weil er während des Missbrauchs Gebete aufgesagt habe, sei er bestraft worden. Während eines ganzen Jahres durfte er nicht beten. Zudem sei er im muslimischen Fastenmonat Ramadan zwangsernährt worden.

Sex-Vorwürfe nicht neu

Die Vorwürfe, dass es in Guantanamo sexuelle Übergriffe von Beamtinnen auf Häftlinge geben soll, sind nicht neu. So erzählte auch der britische Häftling Shaker Aamer in einem Gespräch mit seinem Anwalt, Wärterinnen hätten ihn bei Zelleninspektionen mehr als intensiv durchsucht. Aamer: "Wir nennen es die Guantanamo-Massage."

Weiter schilderte der deutsche Ex-Guantanamo-Insasse Murat Kurnaz, Frauen in Spitzenunterwäsche seien in seine Zelle gekommen, hätten sich auf seinen Schoss gesetzt und ihre Brüste an ihm gerieben. Daraufhin habe der angekettete Kurnaz einer der Frauen eine Kopfnuss verpasst, wonach er von herbeigeeilten Soldaten verprügelt wurde.

Schon in einem Untersuchungsbericht von 2005 hielt das Pentagon fest, dass es verschiedentlich zu Übergriffen und sexuellen Provokationen durch Beamtinnen gegenüber Häftlingen gekommen sei. Zum Beispiel seien Insassen mit Farbe bespritzt worden, von der ihnen gesagt wurde, es sei Menstruationsblut. Zwei Beamtinnen wurden daraufhin verwarnt.

Die Anwältin von Slahi, Nancy Hollander, möchte nun erreichen, dass der ehemalige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zur Verantwortung gezogen und angeklagt wird. (rhe)