"Ich überlasse alles dem Willen des Volkes", sagte die 58-Jährige bei ihrer Stimmabgabe in der Hauptstadt Vilnius. Bei Umfragen vor der Wahl kam die parteilose Politikerin auf mehr als 40 Prozent.

Damit hat sie gute Chancen auf eine Wiederwahl. Bei ausreichender Wahlbeteiligung könnte sich die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemalige EU-Kommissarin schon im ersten Durchgang durchsetzen.

"Ich glaube, es wird eine zweite Runde geben", sagte hingegen Regierungschef Algirdas Butkevicius auf dem Weg ins Wahllokal. Auch Ex-Präsident Valdas Adamkus hielt eine Stichwahl für möglich.

Ukraine als Wahlkampfthema

Der Ukraine-Konflikt dominierte den Wahlkampf in der Baltenrepublik. Wie auch in den anderen Baltenstaaten Estland und Lettland ist den Litauern die jahrzehntelange sowjetische Besatzung in leidvoller Erinnerung. Die Angliederung der Krim sowie die verstärkten russischen Grenzmanöver weckten zudem alte Ängste.

Mit ihrer kompromisslosen Haltung gegenüber Russland konnte Grybauskaite während des Wahlkampfs punkten. So ist es massgeblich auf ihr Betreiben zurückzuführen, dass die NATO zuletzt ihre Präsenz in den Baltenrepubliken und anderen osteuropäischen Staaten verstärkte.

Während des Wahlkampfs versprach die für ihre deutlichen Worte bekannte Politikerin, ihr Land notfalls "mit der Waffe zu verteidigen". "Das Litauen von morgen hängt von der Entscheidung ab, die jeder litauische Bürger heute trifft", sagte sie am Sonntag bei ihrer Stimmabgabe in der Hauptstadt Vilnius.

Im Gegensatz zu Grybauskaite sprachen sich ihre stärksten Konkurrenten, der sozialdemokratische EU-Parlamentsabgeordnete Zigmantas Balcytis und der populistische Arbeiterpartei-Kandidat Arturas Paulauskas, für einen Dialog mit Moskau aus. In Umfragen kommen sie lediglich auf etwa zehn Prozent.

Ergebnisse in der Nacht auf Montag

Der Leiter der Wahlkommission, Zenonas Vaigauskas, rechnete kurz nach Schliessung der Wahllokale um 20.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) mit einer Wahlbeteiligung von 52 bis 53 Prozent. Bis zum frühen Abend hatten gut 49 Prozent der mehr als 2,5 Millionen Wahlberechtigten die Stimme abgegeben.

Um das höchste Staatsamt in der Ex-Sowjetrepublik bewerben sich sieben Kandidaten. Für einen Sieg in der ersten Runde waren mehr als 50 Prozent der Stimmen nötig.

Mit aussagekräftigen Ergebnissen wurde in der Nacht zum Montag gerechnet. Erreicht kein Kandidat die absolute Mehrheit, gehen die beiden Bestplatzierten parallel zur EU-Wahl am 25. Mai in eine Stichwahl.

Grybauskaite hatte Adamkus, der nach zwei Amtsperioden verfassungsgemäss nicht wieder kandidieren durfte, 2009 als Staatsoberhaupt abgelöst. Sie ist die erste Frau an der Spitze Litauens seit der Unabhängigkeit von der damaligen Sowjetunion 1990.