Festung Europa

Griechenlands Grenzzaun zwingt die Flüchtlinge nach Lampedusa

Israel will Grenzzaun zu Ägypten bauen (Symbolbild; Archiv))

10 365 Meter lang und 4 Meter hoch ist der Zaun an der Griechisch-Türkischen Grenze. (Symbolbild)

Israel will Grenzzaun zu Ägypten bauen (Symbolbild; Archiv))

Seit Ende 2012 ist er fertiggestellt: Der Grenzzaun an der griechisch-türkischen Grenze. Griechenland ist damit für die meisten Migranten nicht mehr das Einfallstor nach Europa – das zwingt mehr Menschen nach Lampedusa.

Sie kamen zu Zehntausenden: Migranten aus Afghanistan, Pakistan, Bangladesch, Iran und Afrika. Griechenland galt als Einfallstor in den Westen, rund 90 Prozent aller illegalen Einwanderer kamen auf diesem Weg, auf der Balkan-Route, nach Europa – an Spitzentagen bis zu 500 Menschen.

Seit Anfang Jahr jedoch ist die illegale Einreise in diese Region Europas ein schier unmögliches Unterfangen. Grund ist der Grenzzaun bei der Ortschaft Nea Vyssa, an der Festlandsgrenze zwischen Griechenland und der Türkei. Der Zaun ist 10 365 Meter lang, vier Meter hoch, ein 3-Millionen-Euro-Projekt.

Krise hin, Krise her: Das pleitebedrohte Griechenland hat den anfänglich umstrittenen Bau der stacheldrahtbewehrten Sperranlage zu 100 Prozent finanziert. «Ohne Ausrüstung ist der Grenzzaun unüberwindbar», versichert die griechische Baufirma Dagres.

Die Karte zeigt die bekannten Flüchtlingsrouten. Mit dem Grenzzaun in Griechenland kommen Flüchtlinge vermehrt über Algerien, Lybien und Marokko nach Europa.

Die Karte zeigt die bekannten Flüchtlingsrouten. Mit dem Grenzzaun in Griechenland kommen Flüchtlinge vermehrt über Algerien, Lybien und Marokko nach Europa.

«Keine Mücke über die Grenze»

In der Tat: Fertiggestellt wurde der Grenzzaun Ende 2012. Doch schon unmittelbar nach Baubeginn im August des vorigen Jahres fiel die Zahl der illegal Einreisenden an der griechisch-türkischen Festlandsgrenze drastisch.

Registrierten die griechischen Behörden in diesem Abschnitt in den ersten acht Monaten im Jahr 2012 noch knapp 30 000 illegal Einreisende, waren es vom Januar bis Ende August dieses Jahres nur noch knapp 600 – ein Rückgang um satte 98 Prozent.

Dem Grenzzaun sei Dank: Die griechischen Behörden können sich nun darauf konzentrieren, gemeinsam mit der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex Europas Grenzen zur Türkei in der Ost-Ägäis besser zu überwachen.

Das Ergebnis: Reisten seit 2006 im Schnitt mehr als 100 000 Personen pro Jahr illegal nach Griechenland ein, waren es in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres nur noch rund 27 000. Sogar die seriöse Athener Tageszeitung «Kathimerini» frohlockte mit Blick auf den Grenzzaun: «In Evros kommt nicht einmal eine Mücke über die Grenze.»

Das Risiko steigt

Fest steht jedenfalls: Der Fluchtstrom über die Balkan-Route und das östliche Mittelmeer ist praktisch versiegt. Den illegalen Einwanderern bleiben nach Europa jetzt nur noch drei andere Routen: über Marokko, Algerien oder Libyen – nicht selten hochriskante Alternativen. Enorme Gefahren birgt bei stürmischer See insbesondere die Route Libyen, wie die jüngsten Unglücke mit Hunderten Ertrunkenen vor der italienischen Insel Lampedusa und vor Malta zeigten.

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