USA

Gouverneur von Texas fordert: Alte Amerikaner sollen sich fürs Wohl des Landes opfern

Radikaler Vorschlag: Texas Vize-Gouverneur will, dass alte Amis über die Klinge springen. (Bild: HO)

Radikaler Vorschlag: Texas Vize-Gouverneur will, dass alte Amis über die Klinge springen. (Bild: HO)

Dan Patrick ist stellvertretender Regierungschef in Texas. Er sagt: Amerika müsse den Stillstand beenden – und die ältere Generation ein patriotisches Opfer bringen.

Das sind beunruhigende neue Töne aus den USA: Dan Patrick, der Vize-Gouverneur des Bundesstaates Texas, hat in einer Talkshow auf dem konservativen US-Sender „Fox News“ vorgeschlagen, Amerikas alte Bevölkerung müsse sich in dieser schweren Krise freiwillig opfern. Patrick, der als texanischer Vizegourverneur wichtige Entscheide für immerhin 29 Millionen Menschen treffen muss, sagte wörtlich: „Wenn ich gefragt würde, ob ich als älterer Bürger bereite wäre, mein Leben aufs Spiel zu setzen, damit Amerika so bleibt, wie wir es alle lieben, dann würde ich sagen: Ich bin dabei.“

Der Republikaner Dan Patrick ist ein glühender Fan von US-Präsident Donald Trump. Und er ist ein Anhänger von Trumps Vorschlag, die USA bereits in einer guten Woche wieder aus dem Krisenmodus zu wecken und alle Corona-Sicherheitsmassnahmen abzublasen. Trump hat mehrfach betont, dass die „Kur nicht schlimmer sein darf als die Krankheit“. An einer Pressekonferenz am Montagabend sagte er, Amerika dürfe seine 160 Millionen Jobs nicht aufs Spiel stellen. Wenn man die Wirtschaft zu lange pausiere, sei das tödlicher, als das Virus selbst.

Alle fragen sich: Wo ist Trumps wissenschaftlicher Berater?

Dan Patrick stimmt dieser Message zu. Er sieht es als patriotische Pflicht der alten Amerikaner, den eigenen Tod über den temporären Stillstand im Land zu stellen. Patrick tut dies, ohne zu wissen, welche Gefahr tatsächlich vom Virus ausgeht. Aus einer vergangene Woche veröffentlichten Studie über die ersten 2500 Infizierten in den USA geht hervor, dass rund 40 Prozent der an Covid-19 erkrankten Amerikaner unter 54 Jahre alt waren. Es trifft also – mindestens in den USA – keineswegs nur die Alten, sondern auch jüngere Menschen mit gesundheitlichen Komplikationen.

Doch wissenschaftliche Warnungen werden nicht nur von Dan Patrick in den Wind geschlagen, sondern auch von Donald Trump. Anthony Fauci, der Direktor des amerikanischen Instituts für Allergien und ansteckende Krankheiten und sowas wie das wissenschaftliche Hirn von Trumps Corona-Taskforce, war bei den letzten Pressekonferenzen des US-Präsidenten nicht mehr anwesend. Fauci hatte sich in einem Interview mit dem „Science Magazine“ kritisch zu Trumps Strategie geäussert und ihn davor gewarnt, allzu schnell zum Courant normal zurückzukehren.

Diese Kritik scheint Trump nicht gut bekommen zu sein. Er macht weiter auf gute Miene zum bösen Spiel – und riskiert damit, dass Amerikas Alte tatsächlich dem Virus zum Opfer fallen – ganz unpatriotisch und ohne Selbstaufopferung, wie sie Dan Patrick fordert.

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