Der Oberste Gerichtshof der USA hat es gestern Montag abgelehnt, sich in den laufenden Rechtsstreit um die Legalität von homosexuellen Eheschliessungen einzuschalten. Ohne Begründung lehnten es die Verfassungsrichter ab, sich zu sieben hängigen Klagen zu äussern.

Damit machte der Supreme Court von einem seiner Vorrechte Gebrauch: Das höchste Gericht Amerikas kann autonom darüber entscheiden, ob es sich in rechtlich oder politisch heikle Fälle einmischen will. Wenn weniger als vier der neun Richter eine Intervention befürworten, haben die Urteile der Vorinstanz Bestand.

Das ist – in diesem Fall – eine gute Nachricht für schwule und lesbische Amerikanerinnen und Amerikaner. Denn dank diesem Entscheid wird die Eheschliessung von Homosexuellen nun in elf weiteren US-Bundesstaaten legalisiert – darunter auch in konservativen Staaten wie Utah, Wyoming, Oklahoma im Westen und West Virginia und South Carolina im Süden des Landes.

Homo-Ehen sind nun in 30 der 50 Bundesstaaten plus im Hauptstadtbezirk District of Columbia legal. Einige Staaten reagierten umgehend auf den Richterspruch, der keiner war. Virginia begann bereits gestern Nachmittag, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Konservativere Staaten werden wohl noch einige Tage zuwarten, bis ein Bundesrichter ihnen – mit Verweis auf den Instanzenweg – Beine macht.

Rechtsexperten reagierten höchst überrascht auf den Entscheid des Supreme Court. Allgemein war damit gerechnet worden, dass sich die Verfassungsrichter in der laufenden Sitzungsperiode mit der Verfassungsmässigkeit von Verboten für Homo-Ehen befassen werden. Nachdem sie voriges Jahr in Leiturteilen angedeutet hatten, dass eine Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Amerikanerinnen und Amerikanern nicht zulässig ist. Sowohl Gegner als auch Anhänger der Homo-Eheschliessungen hatten eine Intervention des Supreme Court befürwortet mit Hinweis auf den rechtlichen Flickenteppich, der Implikationen auf Steuererklärungen, Pensionszahlungen oder Besuchsrechte in Spitälern hat. Die Richter schreckten nun aber vor dieser Rechtsdebatte zurück.