Gipfeltreffen

Gipfel der Hoffnung: An der koreanischen Grenzen werden die Weichen für die Zukunft gestellt

Ein Gipfeltreffen zwischen Kim (l.) und Moon (r.) steht bevor: Stampft Nordkorea tatsächlich sein Atombomben-Programm ein?

Ein Gipfeltreffen zwischen Kim (l.) und Moon (r.) steht bevor: Stampft Nordkorea tatsächlich sein Atombomben-Programm ein?

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un zeigt sich derzeit so kompromissbereit wie noch nie. Dennoch warten beim heutigen Gipfel einige Hindernisse auf Südkoreas Präsidenten. Bei der Form des Desserts geht es bereits los.

Vor nicht einmal einem halben Jahr hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un damit gedroht, die südkoreanische Hauptstadt Seoul in Schutt und Asche zu legen. Dazu bräuchte er nicht einmal Atomraketen. Sein auf den Süden ausgerichtetes Waffenarsenal konventioneller Art reiche völlig aus.

Davon ist nun nichts mehr zu hören. Im Gegenteil: Es kommt zu der Annäherung, auf die Millionen Menschen in der Region seit Jahren gehofft haben. An diesem Freitag wollen sich Kim und Südkoreas Präsident Moon Jae In im Grenzort Panmunjom treffen, dem ersten gesamtkoreanischen Gipfel seit elf Jahren. Es ist überhaupt erst der dritte Gipfel der beiden verfeindeten Staaten seit der Teilung 1945.

Hier treffen sich die beiden Präsidenten

Hier treffen sich die beiden Präsidenten

Den Ablauf haben Unterhändler beider Seiten präzise geplant. Kim wird am Freitagmorgen zunächst über die Grenze laufen und von Moon mit militärischen Ehren begrüsst werden. Kim wird damit der erste nordkoreanische Staatschef sein, der südkoreanischen Boden betritt.

Ende der Trennung?

Die Gespräche finden anschliessend in dem eigens dafür eilig hergerichteten Friedenshaus statt. Exakt 2018 Millimeter sollen die beiden Staatsoberhäupter voneinander entfernt sitzen. Dieses Jahr soll das Ende der Trennung beider Länder einläuten. Später werden Kim und Moon an der Demarkationslinie gemeinsam eine Pinie pflanzen. Selbst die Speisen beim Bankett sind symbolisch aufgeladen – was bereits zu diplomatischer Verstimmung in Japan geführt hat.

Zum Dessert soll es ein Mangomus geben, das exakt der koreanischen Halbinsel nachgebildet ist, inklusive einiger Inseln, die sowohl Korea als auch Japan für sich beanspruchen. Japan legte Protest ein und forderte Südkorea auf, den Nachtisch nicht in dieser Form zu
servieren. Unumstritten die Beilage: Vorgesehen ist Rösti, eine Speise, die Kim an seine Schulzeit in der Schweiz erinnern soll.

Trotz dieses Aufwands droht die historische Begegnung in der internationalen Öffentlichkeit in den Hintergrund zu rücken – nachdem US-Präsident Donald Trump zugesagt hat, sich mit dem vor kurzem international noch völlig isolierten nordkoreanischen Diktator ebenfalls treffen zu wollen. Dieser Gipfel wird wahrscheinlich Ende Mai oder Anfang Juni stattfinden.

Das Treffen Kim-Moon könnte sich aber dennoch als sehr viel wegweisender erweisen. Denn während Trumps Begegnung mit Kim vor allem von symbolischer Bedeutung sein wird, werden am heutigen Freitag die konkreten Verhandlungen geführt, unter welchen Bedingungen Nordkorea bereit sein wird, atomar abzurüsten und einem dauerhaften Frieden zuzustimmen. Oder aber, ob sich der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel wieder zuspitzen wird.

Nordkorea als Atommacht

Momentan stehen die Zeichen auf Entspannung. Denn tatsächlich haben sich Nord- und Südkorea in den vergangenen Wochen angenähert. Doch der Teufel steckt im Detail. Nordkorea hat zwar am vergangenen Wochenende angekündigt, seine Nukleartests bis auf weiteres auszusetzen.

Diese Erklärung dürfte die Strategen in Washington aber alles andere als zufrieden stellen. Kim begründet die Einstellung damit, dass sein Land inzwischen eine Atommacht sei. Die USA hingegen fordern einen kompletten Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals. Dazu gehört auch die Aufgabe der Atomanlage Yongbyon und die Erlaubnis, unabhängige Kontrolleure ins Land zu lassen.

Auf diese Forderung wird sich Kim wohl kaum einlassen. Denn dann wäre sein Land eben keine Atommacht mehr. Dieser Status hat es ihm jedoch erst ermöglicht, überhaupt von Trump und den anderen Staatschefs der Region ernst genommen zu werden. «Ohne das Atomprogramm hätten die USA das Regime wahrscheinlich längst gestürzt», vermutet der südkoreanische Politologe Go Myong-hyun vom Asan-Institut in Seoul. Diesen Vorteil werde sich Kim nicht so schnell nehmen lassen.

Schwierige Vermittlung

So erfreulich die Annäherung erscheinen mag – in der Sache liegen die Kontrahenten weit auseinander. Trump hatte Nordkoreas Ankündigung erst begrüsst, wenig später aber als «unzureichend» kritisiert. Offenbar haben ihn seine Berater in der Zwischenzeit eines Besseren belehrt. Für Südkoreas Präsidenten Moon dürfte es am Freitag daher schwierig werden, zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

Keine Frage: Nordkorea zeigt sich verhandlungsbereit wie noch nie. Das Regime hat signalisiert, die weitere Anwesenheit von US-Truppen auf der koreanischen Halbinsel zu tolerieren. Und auch über einen Nichtangriffspakt will Kim offenbar verhandeln.

Allerdings hatte auch schon sein Vater und Vorgänger 2002 eine Abkehr des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms zugesagt und dafür Öllieferungen erhalten. 2006 kam es dann trotzdem zu Nordkoreas erstem Atomtest.

Der junge Kim tickt sicherlich anders als sein Vater. Fest steht aber auch bei ihm: Er wird sich jedes einzelne Zugeständnis nicht nur mit der Aufhebung der Sanktionen, sondern auch mit Wirtschafts- und Entwicklungshilfe teuer bezahlen lassen. «Er ist auf Wirtschaftshilfe angewiesen, erläutert Politologe Go. «Und das Atomprogramm ist sein wichtigstes Projekt.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1