Kampf gegen Terror

Gingen erste russische Luftangriffe in Syrien gar nicht gegen den IS?

Kampfeinsatz: Mit solchen MiG-29 fliegt Russland Luftangriffe gegen Stellungen in Syrien.

Kampfeinsatz: Mit solchen MiG-29 fliegt Russland Luftangriffe gegen Stellungen in Syrien.

Mit Luftschlägen in Syrien hat Russland erstmals militärisch in den Konflikt eingegriffen. Während der Kreml sagt, man bekämpfe die IS-Terrormiliz, sagen Aktivisten: In den angegriffenen Gebieten befinden sich keine Kämpfer des IS oder von Al-Kaida.

Mit Luftschlägen auf strategische Ziele in Syrien hat Russland erstmals militärisch in den Konflikt eingegriffen. Während der Kreml sagt, damit die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu bekämpfen, behaupten oppositionelle Aktivisten: In den angegriffenen Gebieten befinden sich gar keine Kämpfer des IS oder von Al-Kaida.

Aus dem Verteidigungsministeriums in Moskau hiess es am Mittwoch jedenfalls, mit 20 Luftangriffen seien acht Stellungen der IS-Terrormiliz beschossen worden.

Die syrische Führung begrüsste das russische Engagement. Die Angriffe fanden nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Damaskus in den zentralen Provinzen Hama und Homs sowie in der Küstenprovinz Latakia statt.

Der russische Präsident Wladimir Putin nannte Russlands Intervention den "einzigen Weg im Kampf gegen den internationalen Terrorismus". Russland werde die syrische Armee so lange unterstützen, bis diese ihren Kampf beendet habe, kündigte er an.

Nach Angaben der in Grossbritannien ansässigen oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen bei den russischen Luftangriffen mindestens 27 Menschen ums Leben. Andere Aktivisten berichteten von mehr als 35 Toten, darunter Frauen und Kinder.

Von gemässigten Rebellen kontrolliert

Oppositionellen syrischen Aktivisten zufolge bombardierten die Jets aber mehrere Orte nördlich von Homs, die von gemässigten Rebellen gegen das Regime von Baschar al-Assad gehalten werden.

Die Region werde von gemässigten Rebellengruppen kontrolliert, sagte auch Samir Naschar, führendes Mitglied des Oppositionsbündnisses Nationale Syrische Koalition. Dessen Vorsitzender Khaled Khudscha erklärte über Twitter, in dem Gebiet gebe es weder Kämpfer des IS noch des Terrornetzwerkes Al-Kaida.

CNN berichtet, dass Russland erste Luftangriffe auf die syrische Stadt Homs, wo die Anti-Assad-Rebellen sind, fliegt.

CNN berichtet, dass Russland erste Luftangriffe auf die syrische Stadt Homs, wo die Anti-Assad-Rebellen sind, fliegt.

Der Föderationsrat in Moskau hatte Putin am Mittwochmorgen einstimmig den Militäreinsatz im Bürgerkriegsland erlaubt. Der syrische Machthaber Assad habe Russland um Militärhilfe gebeten, sagte der Chef der Präsidialverwaltung, Sergej Iwanow. Es gehe um Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen sei "ausgeschlossen".

Der Westen fürchtet, dass Assad eine Intervention des Partners Russland zum Kampf gegen die Opposition und die Zivilbevölkerung nutzen könnte. Putin sagte allerdings, er rechne mit Assads "Kompromissbereitschaft" bei der Lösung der Krise. Russland betreibt in der syrischen Hafenstadt Tartus eine Militärbasis.

Lawrow legt UNO-Sicherheitsrat Resolution vor

Unterdessen rief der russische Aussenminister Sergej Lawrow die Weltgemeinschaft zum gemeinsamen Kampf auf. Russland wolle den UNO-Sicherheitsrat in eine Koordination von Angriffen auf die IS-Terrormiliz einbinden, sagte Lawrow während eines Ministertreffens des UNO-Gremiums in New York.

Lawrow legte der Agentur Interfax zufolge dem Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf zur Bekämpfung des IS vor. Er hoffe auf eine konstruktive Diskussion und eine breite Unterstützung, sagte er. Zugleich rief Lawrow die gemässigte syrische Opposition und die Führung um Assad zum Dialog auf.

Russlands militärisches Engagement in Syrien ist bei der russischen Bevölkerung nicht unumstritten - auch aus Furcht, das Land könne Anschlagziel von gewaltbereiten Islamisten werden. In einer aktuellen Umfrage sprechen sich nur sechs Prozent der Russen für eine solche Intervention aus.

Unterstützung kommt aber von der russisch-orthodoxen Kirche. "Der Kampf gegen den Terror ist ein heiliger Kampf. Und unser Land ist heute wohl die aktivste Kraft weltweit, die gegen ihn vorgeht - nicht im eigennützigen Interesse, sondern weil der Terrorismus unmoralisch ist", sagte der einflussreiche Oberpriester Wsewolod Tschaplin.

Ersuchte das Parlament um Zustimmung für einen Militäreinsatz in Syrien: Staatschef Wladimir Putin.

Ersuchte das Parlament um Zustimmung für einen Militäreinsatz in Syrien: Staatschef Wladimir Putin.

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