Paris

Giftpfeile gegen Parteifreund: Und schon mischt Sarkozy die Politik auf

Angriffslustig wie eh und je: Nicolas Sarkozy (Archiv)

Angriffslustig wie eh und je: Nicolas Sarkozy (Archiv)

Kurz nach der Ankündigung seines Comebacks greift Ex-Präsident Nicolas Sarkozy seine Parteifreunde an. «Ich kann ja auch nichts dafür, wenn François Fillon das Vakuum nach meinem Abgang nicht ausgefüllt hat», sagte er über seinen ex-Premier.

Er kehre «ohne Arroganz und Revanchedenken» in die Politik zurück, erklärte Sarkozy gestern Sonntag in einem Interview mit dem «Journal du dimanche», um ungefragt anzufügen, er wolle auch «gegen niemanden aggressiv sein». Dann wurde er gleich aggressiv. «Ich kann ja auch nichts dafür, wenn François Fillon das Vakuum nach meinem Abgang nicht ausgefüllt hat», griff er seinen früheren Ex-Premierminister an, der wie er selbst bei den Präsidentschaftswahlen 2017 antreten will.

«Müssen wir von Sarkozy reden?»

Dem früheren Regierungschef Alain Juppé unterstellte Sarkozy, er sei mit 69 Jahren zu alt für eine Präsidentschaftskandidatur und von der Justiz schon einmal rechtskräftig verurteilt worden. Und an beide gewandt meinte der Ex-Staatschef, der in zwei Monaten den Vorsitz der konservativen Union für eine Volksbewegung (UMP) übernehmen will: «Wenn ich mit der neuen Partei reüssiere, werden sie mich nicht mehr einholen können.» Um weiterzufahren, als wäre er schon Parteichef: «Ich werde den Namen der Partei ändern, eine neue Organisation aufziehen, neue Mitglieder und Spender anwerben.»

Der Erste, dem der Kragen platzte, war Juppé. In Justizangelegenheit sollte sich Sarkozy «besser nicht messen», flachste er in Anspielung auf dessen acht hängige Gerichtsaffären. «Aber müssen wir immer von Sarkozy reden?», ärgerte Juppé sich vor den Journalisten, die ihn in Bordeaux – wo Juppé Bürgermeister ist – mit Fragen bedrängten.

Am Abend reservierte sich Sarkozy einen Auftritt in der Haupttagesschau des öffentlichrechtlichen Senders France-2. Auf Facebook erhielt er für seine Comeback-Erklärung vom Freitag rund 100 000 «likes». Gestern brüstete er sich, er habe mit diesem einzigen Auftritt «mehr Facebook-Freunde gewonnen als Juppé und Fillon miteinander haben».

Vernichtendes Image

In der UMP begrüssten laut einer Umfrage 86 Prozent der Mitglieder Sarkozys Kandidatur. Ein wenig anders sieht es aus, wenn man alle Franzosen befragt – und das ist ausschlaggebend, wenn Sarkozy erneut Staatspräsident werden will: 61 Prozent missbilligen seine Bewerbung als Parteichef, 63 Prozent wollen nicht, dass er wieder fürs Élysée kandidiere. Geradezu vernichtend ist offenbar sein Image: Die Regionalzeitung «Sud-Ouest» staunte selbst, als sie fragte, wie viele ihrer Leser Sarkozy für «ehrlich» hielten: Vor seiner ersten Präsidentschaftswahl waren es 61 Prozent gewesen – jetzt sind es noch ganze 29 Prozent.

Taktische Motive oder Langeweile?

Die Erklärung liegt nicht nur in den Justizaffären des französischen Ex-Präsidenten. Sarkozy begründet seine Rückkehr mit der desolaten Situation der Nation, die seine Talente erfordere. Doch während sich die Pariser Kommentatoren fragen, welche taktischen Motive wohl hinter Sarkozys vorgezogener Rückkehr stünden, meinen in den Internetforen viele, «Speedy Sarko», wie er auch genannt wird, habe das Nichtstun neben seiner als Sängerin herumtourenden Gattin Carla Bruni ganz einfach nicht mehr ausgehalten.

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