Sedisvakanz

Gibt es wieder einen «deutschen» Papst?

Im Vatikan haben die Vorbereitungen für die Wahl eines neuen Papstes begonnen. Rund 150 Kardinäle aus aller Welt kamen am Montag im Kirchenstaat zusammen, wo sie eine Woche lang ein bis zwei sogenannte Generalkongregationen pro Tag abhalten werden.

Die Gespräche der Kirchenfürsten finden hinter verschlossenen Türen in der Synodenaula statt. Zu den Themen der Generalkongregationen dürften die jüngsten Missbrauch-Skandale gehören sowie die Vatileaks-Affäre um die Weitergabe interner Dokumente und ein dazugehöriger geheimer Bericht.

Der frühere Bischof des Bistums Basel, Kardinal Kurt Koch, trifft zum Vorbereitungsgespräch der Purpurträger im Vatikan ein.

Kardinal Kurt Koch im Vatikan, 2013

Der frühere Bischof des Bistums Basel, Kardinal Kurt Koch, trifft zum Vorbereitungsgespräch der Purpurträger im Vatikan ein.

Mit dem Beginn des Konklaves, das den Nachfolger des aus Altersgründen zurückgetretenen Papst Benedikt XVI. wählt, wird kommende Woche gerechnet. Ein Termin für den Beginn der Wahlversammlung soll festgelegt werden, wenn möglichst alle der wahlberechtigten Kardinäle im Kirchenstaat eingetroffen sind.

Kardinaldekan Angelo Sodano hatte die insgesamt 207 Kardinäle aus allen fünf Kontinenten per Brief zusammengerufen. Einige sagten alters- oder krankheitshalber ab.

Wahlberechtigt sind nur die Kardinäle, die zum Zeitpunkt des Rücktritts von Papst Benedikt XVI. jünger als 80 Jahre waren. Nach dem letzten Stand werden an der Papstwahl 115 Kardinäle teilnehmen.

Der Vatikan hofft, vor Ostern den Katholiken ein neues Kirchenoberhaupt präsentieren zu können. Die Generalkongregationen vor Beginn des Konklaves geben den Kardinälen die Gelegenheit, das Verhalten von potenziellen Kandidaten bei Debatten zu beobachten.

Kein klarer Favorit

Für das Amt des künftigen Oberhaupts der 1,2 Milliarden Katholiken gibt es keinen eindeutigen Favoriten. Die Kardinäle geben auch nie offen bekannt, wen sie bevorzugen. In Interviews sprechen sie allerdings häufig von den Qualitäten, die ihr idealer Kandidat aufweisen muss.

Viele Kardinäle bevorzugen offenbar einen relativ jugendlichen oder jung gebliebenen Pontifex maximus, wie aus verschiedenen ihrer Äusserungen hervorgeht. Dieser soll die Fähigkeit zur geistlichen Erneuerung einer zum Teil erstarrten und von Skandalen erschütterten Kirche mitbringen.

Unter den Italienern sticht der Mailänder Erzbischof Angelo Scola hervor, ein starker Förderer des interreligiösen Dialogs. Auch der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn und der Ungar Peter Erdö gelten als aussichtsreiche Kandidaten.

Konservativ oder reformorientiert?

Chancen können sich überdies Kardinäle aus Lateinamerika, Afrika oder Asien ausrechnen. Immer wieder genannt werden der Erzbischof von São Paulo, Odilo Scherer, der deutschen Ursprungs ist. Aber auch Peter Turkson aus Ghana oder Wilfrid Napier aus Südafrika und der Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle werden genannt.

Aus Nordamerika liegen ausser dem New Yorker Timothy Dolan offenbar der Bostoner Erzbischof Sean O'Malley sowie der Kanadier Marc Ouellet gut im Rennen. Mit Spannung wird erwartet, ob sich bei der Papstwahl ein konservativer oder reformorientierter Kirchenvertreter durchsetzen wird.

Benedikt XVI. hatte am 11. Februar überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Das Pontifikat des 85-jährigen Deutschen endete am vergangenen Donnerstag um 20 Uhr.

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