Die Beamten setzten Tränengas ein. Eine Person wurde wegen Sprengstoffbesitzes festgenommen. Bei den Zusammenstössen wurden einige Demonstranten verletzt. Kameraleute, die die Ausschreitungen filmten, bekamen ebenfalls Schläge ab, wie italienische Medien berichteten. Einige Demonstranten verbrannten italienische Fahnen.

Die Proteste weiteten sich auf andere Ortschaften aus: In Sant'Arcangelo Trimonte in der Region Kampanien wollten die Leute verhindern, dass bei ihnen Abfall aus Neapel entsorgt wird. Die Proteste waren bereits in der Nacht zum Donnerstag eskaliert, als in Neapel eine Gruppe Vermummter die Polizei mit Steinen und Knallkörpern bewarf.

In Boscoreale 25 Kilometer südlich von Neapel hatten Demonstranten laut Medienberichten am Donnerstag fünf Müllabfuhrwagen sowie elf weitere Fahrzeuge in Brand gesetzt.

Der Bürgermeister von Boscoreale, Gennaro Langella, von der italienischen Regierungspartei Volk der Freiheit (PDL) gab aus Protest gegen den geplanten Bau der Deponie seinen Rücktritt bekannt. Das Vorhaben sei "ein sehr ernstes Problem nicht nur für die öffentliche Gesundheit, sondern auch für die öffentliche Ordnung", erklärte er.

Berlusconi verspricht Geld

Die italienische Regierung will die Abfallkrise in Neapel binnen zehn Tagen in den Griff bekommen. "Wir werden die für die Verwaltung der Müllhalde bei Terzigno zuständige Gesellschaft durch den Zivilschutz ersetzen", sagte Ministerpräsident Silvio Berlusconi in Rom nach einer Krisensitzung.

Zudem versprach er, Terzigno erhalte im Gegenzug für den Bau der Abfalldeponie 14 Millionen Euro. Seine Regierung garantiere die Bereitstellung der notwendigen Mittel. Der Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso, werde sich am Freitag in Neapel ein Bild von der Krise machen.