Prozess in Berlin

Gestohlene Riesen-Goldmünze: Vier Angeklagte schweigen vor Gericht beharrlich

Diese 100 Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf" wurde im März aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen. (Archiv)

Diese 100 Kilogramm schwere Goldmünze "Big Maple Leaf" wurde im März aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen. (Archiv)

Eine Goldmünze im Millionenwert wird mit Hilfe einer Schubkarre aus einem Museum der deutschen Hauptstadt Berlin gestohlen. Seit fast drei Jahren ist die Beute verschwunden. Gegen vier Verdächtige wird verhandelt. Kann der Fall noch aufgeklärt werden?

Sie kommen völlig gelassen von zu Hause in das Berliner Landgericht. Auch wenn die vier jungen Männer im Alter von 21 bis 25 Jahren auf der Anklagebank Platz nehmen, ist ihnen keine Anspannung anzumerken.

Dabei wird ihnen der spektakuläre Diebstahl einer riesigen Goldmünze im Millionenwert aus dem Bode-Museum zur Last gelegt. In der Nacht zum 27. März 2017 war die 100 Kilogramm schwere Münze «Big Maple Leaf» mit einem damaligen Goldwert von knapp 3,75 Millionen Euro entwendet worden. Bislang konnte nicht im entferntesten erhellt werden, was aus der Beute wurde und wo sie geblieben ist.

Vor einem Jahr begann der Prozess wegen gemeinschaftlichen Diebstahls in besonders schwerem Fall. Doch das Quartett schweigt bis heute. Drei der deutschen Angeklagten gehören einer arabischstämmigen Grossfamilie an.

Einstieg in die Umkleidekabine

Der Coup soll gründlich geplant gewesen sein. Laut Anklage sollen zwei Brüder sowie ihr Cousin über das Fenster in der Herren-Umkleidekabine eingestiegen sein. Sie hätten dann weit nach Mitternacht eine Vitrine zertrümmert und das Goldstück mit Rollbrett, Seil und Schubkarre zu einem Fluchtwagen geschafft. Der Vierte im Bunde soll zuvor als damaliger Wachmann in dem Museum den Ort ausgekundschaftet und Tipps gegeben haben. Der Deutsch-Türke war Mitarbeiter einer Firma im Auftrag des Museums, das zum Weltkulturerbe Museumsinsel gehört.

Nach dem Coup soll er sich für Immobilien in der Hauptstadt interessiert haben. Das gehe aus Telefonaten hervor, die von Ermittlern mitgeschnitten worden seien, hiess es im Prozess. Seine Verteidiger erklärten, seine Grossmutter habe der Familie helfen und Geld für einen Laden zur Verfügung stellen wollen.

Bislang seien weitere Verhandlungstermine bis zum 24. Februar geplant, sagt Gerichtssprecherin Lisa Jani. An diesem Donnerstag soll die Grossmutter eines Angeklagten befragt werden. Die Zeugin soll extra per Flugzeug aus der Türkei nach Berlin kommen.

Münze wohl zerkleinert

Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass die Münze zerkleinert und Stück für Stück verkauft wurde. Als Indizien gelten nachgewiesene Goldpartikel auf Kleidungsstücken. Es habe sich um «höchstreines Gold» gehandelt, so ein Experte, den das Gericht befragte. «Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind die Goldpartikel identisch mit dem Gold der Goldmünze.»

Möglicherweise wurde der Diebstahl durch Sicherheitsmängel begünstigt. So war die Alarmanlage des Fensters defekt, über das die Diebe in das altehrwürdige Gebäude eindrangen. Die Öffnungs- und Verschlussüberwachung sei für mehrere Tage deaktiviert gewesen, hatte ein für Sicherheit zuständiger Mitarbeiter der Staatlichen Museen zu Berlin im Prozess gesagt. Seit 2014 habe es immer wieder technische Probleme mit dem Fenster im zweiten Stock gegeben.

Coup in Dresden

Der Einstieg über ein defektes Fenster, das Zertrümmern einer Vitrine - auch in Dresden gingen im Dezember bislang Unbekannte beim Einbruch in das Grüne Gewölbe so vor. Unschätzbar wertvolle Juwelen wurden entwendet. Der Coup, der auch international Schlagzeilen machte, dauerte nur wenige Minuten.

Dresdner Ermittler haben Kontakt zu ihren Kollegen in der Hauptstadt aufgenommen, um mögliche Zusammenhänge zu prüfen. Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte der dpa aber gesagt, Verbindungen seien weiter Spekulation. Das Berliner Landeskriminalamt habe einen international anerkannten Experten für Kunstdelikte, der die sächsischen Kriminalisten unterstütze.

Mitglieder der Grossfamilie, zu der die in Berlin angeklagten Brüder und der Cousin gehören, waren schon wiederholt im Visier der Ermittler. Im Sommer 2018 wurden 77 Immobilien beschlagnahmt, die dem Clan zugerechnet werden. Die Ermittler vermuten, dass Wohnungen und Grundstücke auch mit Geld gekauft wurden, das aus einem Bank-Einbruch vom Oktober 2014 stammt.

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