Natürlich war das Redepodium strategisch geschickt positioniert. Deshalb wartete Hillary Clinton gestern Mittwoch nicht lange, bis sie eine Anspielung auf den hässlichen Betonklotz machte, in dessen Schatten sie in der glühenden Mittagshitze das Wort ergriff. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin sagte, Atlantic City, das kriselnde Spielerparadies an der Atlantikküste, habe in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder «grosse Namen» angezogen.

Dann drehte sie sich leicht um und zeigte auf den verblichenen Schriftzug an der Fassade des Gebäudes. Und obwohl das Hotel samt dazugehörigem Casino nun schon fast zwei Jahre leer steht, ist dort immer noch «Trump Plaza» zu lesen – der Name des ersten Vergnügungstempels, den der Baulöwe Donald Trump in den 1980er-Jahren übernommen hatte. Und den er rund 30 Jahre später, als er sich aus dem Ferienort zurückzog, dem Verfall überliess. Dann sagte Clinton: «So könnte unsere Zukunft aussehen» – falls der Republikaner im November die Präsidentenwahl gewinne. Denn Trump werde «unser Land in den Abgrund steuern», so wie er auch seine Unternehmen «gezielt» immer wieder an die Wand gefahren habe.

«Schändliches» Verhalten

Diese harsch formulierte Kritik gehört zum Standard-Repertoire der Demokratin. Sie und ihre Berater sehen darin einen Angriffspunkt, um den Geschäftsmann nervös zu machen. Und tatsächlich wiederholte Clinton gestern Fragmente ihrer Wahlkampfrede, mit der sie landauf, landab um Stimmen wirbt. Trump behaupte, sagte sie, er sei ein gewiefter Geschäftsmann – nicht zuletzt deshalb gewann er die Vorwahlen der Republikaner. Gemessen am Vermögen, dass er über die Jahre hinweg angehäuft habe, möge dies vielleicht zutreffen, so Clinton. Aber bereits ein flüchtiger Blick auf seine lange Karriere zeige, dass Trump sich nie für seine Angestellten, Investoren, Zulieferbetriebe oder Kunden interessiert habe. Stattdessen gehe es ihm nur um sein eigenes Wohl. Das sei «schändlich», sagte Clinton. So wies sie darauf hin, dass Trump ein notorisch schlechter Kunde sei, weil er Rechnungen nicht oder nur spät bezahle. Und dass er über die Jahre hinweg mehr als 3500 Klagen gegen Freund und Feind eingereicht habe, weil er immer wieder versuche, Geschäftspartner und Gegner einzuschüchtern.

Kurzfristig erreichte Clinton mit ihrem Frontalangriff ihr Ziel: Trump sah sich gezwungen, in einer Stellungnahme seine Bilanz als Geschäftsmann – gerade im Hinblick auf Atlantic City – zu verteidigen. Er sagte, er habe «Tausende von Jobs» geschaffen und viel Geld mit seinen Casinos verdient. Offen ist, ob sich Trump aber der eigentlichen Debatte stellen wird, die Clinton gerne führen würde. Denn in der modernen Geschichte der USA stellt der Geschäftsmann ein Novum dar: Noch nie bewarb sich ein Unternehmer, der rund um den Globus Geschäfte macht, im Namen einer Grosspartei für das Weisse Haus.

Trump ist Alleinbesitzer der «Trump Organization», und sein kleines Imperium zählt rund 100 Firmen im In- und Ausland. Im Gespräch mit dem «Wall Street Journal» gab er sich kürzlich äusserst vage, als er auf die Zukunft seiner Firmen angesprochen wurde. Er wies darauf hin, dass seine drei erwachsenen Kinder (aus erster Ehe) die Zügel in den Händen hätten und unternehmerische Entscheide träfen. Er wollte aber nicht verraten, ob er sich bei einer allfälligen Wahl von seinen Firmen trennen würde. «Ich werde tun, was ich tun muss», sagte er, um potenzielle Interessenkonflikte zu vermeiden. «Das ist ganz einfach.»

Sein Privatleben: Scheidungen und Affären

Donald Trump mit Ehefrau Nummer zwei, Marla Maples, 1993.

Donald Trump mit Ehefrau Nummer zwei, Marla Maples, 1993.

Donald Trump hat noch nie ein Geheimnis um seine Männlichkeit gemacht: Der Multi-Milliardär ist stolz darauf, dass er während seiner wilden Jahre mit zahllosen Frauen im Bett landete. 1997 sagte er, er schätze sich glücklich, sich noch nie eine Geschlechtskrankheit geholt zu haben. «Wir leben in einer gefährlichen Welt», sagte Trump, und zog einen Vergleich zum Krieg in Vietnam. «Ich fühle mich wie ein grossartiger und sehr tapferer Soldat.» In seinem Bestseller «The Art of the Deal» (1987) schrieb Trump: «Wenn ich die Wahrheit über meine Erfahrungen mit Frauen erzählen würde, oftmals sehr glücklich verheiratete und wichtige Frauen, dann würde dieses Buch garantiert zu einem Bestseller.» Tatsache ist, dass Trump mittlerweile in dritter Ehe verheiratet ist.
Gattin Nummer eins, das tschechische Modell Ivana Trump, verliess ihn nach 14 Jahren Ehe im Jahr 1992. Ein Jahr später heiratete Trump Gattin Nummer zwei, die amerikanische Möchtegern-Schauspielerin Marla Maples – mit der er eine langjährige Affäre gehabt hatte. Die beiden lernten sich 1985 kennen. 1989 kam es im Skiort Aspen zu einem legendären Zusammentreffen zwischen Gattin Nummer eins und zwei. «Du Miststück, lass meinen Mann in Ruhe», soll Ivana zu Marla gesagt haben. 1999 folgte die Scheidung von Gattin Nummer zwei. 2005 heiratete Trump das slowenische Modell Melania Knauss.

Roy Cohn: Der Mittelsmann zur Mafia

Kommunistenjäger Joseph McCarthy und Anwalt Roy Cohn.

Kommunistenjäger Joseph McCarthy und Anwalt Roy Cohn.

Als der Anwalt Roy Cohn im Jahr 1986 an den Folgen von Aids starb, hatten sich die meisten seiner Weggefährten von ihm abgewandt. Donald Trump hingegen hielt, mehr oder weniger standfest, zu seinem alten Mentor. «Roy verkörperte eine Ära», sagte er kürzlich der «New York Times». Und Trump hatte allen Grund, seinem Anwalt dankbar zu sein. Denn Cohn, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Gehilfe des Kommunisten-Jägers Joseph McCarthy seine Sporen abverdient hatte, diente als Trumps Mittelsmann zu zwielichtigen Gestalten. So gehörten «Fat Tony» Salerno, der Pate des Genovese-Clans, und «Big Paul» Castellano, der Kopf der Gambinos, zu Cohns Klienten.
Dazu muss man wissen: Die Mafia kontrollierte bis in die 1980er-Jahre das Geschäft mit Fertigbeton in New York City. Jedes grössere Bauvorhaben musste durch den «Concrete Club» abgesegnet werden. Als der junge Baulöwe Donald Trump 1983 das protzige Hochhaus «Trump Tower» aus dem Boden stampfte, ging er deshalb mit «Fat Tony» und «Big Paul» einen Pakt ein, sagt der Journalist David Cay Johnston: Trump überwies der Mafia acht Millionen Dollar; im Gegenzug garantierten die Gangster, dass der Bau planmässig beendet werde, trotz eines Streiks einer Bauarbeiter-Gewerkschaft. Weil die Ermittlungsbehörden dem «Concrete Club» das Handwerk legen wollten, kam der Baulöwe ungeschoren davon. «Big Paul» wurde 1985 ermordet und «Fat Tony» landete 1986 im Gefängnis.

Atlantic City: Glamour und viele Schulden

Das «Trump Plaza» in Atlantic City.

Das «Trump Plaza» in Atlantic City.

Als Donald Trump im Frühjahr 1984 in Atlantic City (New Jersey) sein erstes Spielcasino eröffnete, hofften beide Seiten auf den Jackpot. Tatsächlich brachte der junge Baulöwe eine gesunde Portion Glamour in den heruntergekommenen Ferienort, der von einer Identitätskrise in die nächste stürzte. Rasch brach das «Trump Plaza» sämtliche Umsatzrekorde. 1985 folgte das «Trump Castle» und 1990 nahm das «Trump Taj Mahal», das damals teuerste Kasino der Welt, seinen Betrieb auf. Als das «achte Weltwunder» (Trump) eröffnet wurde, sang Michael Jackson ein Ständchen.
Doch der Schein trog. Atlantic City schlitterte zu Beginn der 1990er-Jahre in eine Krise; ein Finanzanalyst sprach von einem «Kartenhaus». Tatsächlich brach das Trump’sche Imperium bald unter einer Schuldenlast von fast drei Milliarden Dollar zusammen. Im Januar 1991 ging das «Taj Mahal» Konkurs, 1992 folgten das «Plaza» und das «Castle». Trump erwies sich als Stehaufmännchen. 1995 gab er mit dem Börsengang der Casino-Holding sein Comeback. Damit schlug er zwei Fliegen auf einen Streich: Er verschaffte sich frisches Kapital, und finanzierte sich gleichzeitig einen fürstlichen Lebensstil. Dieses Spielchen ging eine ganze Weile gut. Als die Konkurrenz aber zu stark wurde, folgte 2004 der nächste Bankrott. Dieses Mal strichen sich die Investoren 500 Millionen Dollar ans Bein. Als den Trump’schen Casinos 2009 erneut das Geld ausging, folgte der vierte und letzte Konkurs. Und Trump zog sich aus Atlantic City zurück.

Trump University: Der grosse Betrug

Donald Trump mit «Medien» der Trump University 2006.

Donald Trump mit «Medien» der Trump University 2006.

2005 verkündete Donald Trump: Jeder Amerikaner könne mit Hilfe einer soliden Ausbildung viel Geld verdienen. Am 23. Mai lancierte der Unternehmer, der dank der Fernsehsendung «The Apprentice» auf einer Welle der Popularität schwebte, die «Trump University». Anfänglich war die Firma – die «Universität» wurde nie als Bildungsanstalt zertifiziert – wohl tatsächlich bestrebt, den «Studentinnen und Studenten» Einblick in die Geschäftswelt zu geben, mit einem Fokus auf dem Immobilienhandel. Die Blase war damals noch nicht geplatzt, und halb Amerika versuchte, mit Liegenschafts-Transaktionen reich zu werden.
Die Rechnung ging für den Mehrheitseigentümer der «University» aber nicht auf. 2007 folgte deshalb der Strategiewechsel: Eine Drückerkolonne ersetzte die Dozenten. Nun hiess das oberste Ziel der Angestellten der «Trump University», den Kunden möglichst viel Geld abzuluchsen. Angeblich setzte die Firma 40 Millionen Dollar um; einige Kunden bezahlten für wertlose Kurse bis zu 35 000 Dollar. 2010 folgte das Aus für die «Trump University», nachdem in Kalifornien und New York Zivilklagen eingegangen waren. Diese rechtliche Nachbearbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Anfang Juni sorgte Trump für grosse Aufregung, als er einen Bundesrichter, der in San Diego über einen Schadenersatzprozess gegen die «Universität» präsidiert, persönlich beleidigte und angriff.