Es ist ein Urteil, das unter Italiens Vegetariern, Makrobiotikern und Veganern viel zu reden geben wird.

Denn am Prozess ging es um die Frage, ob der völlige Verzicht auf tierische Proteine gesund sei oder zumindest nicht schädlich.

Der Zivilrichter von Bergamo, Ezio Siniscalchi, entschied: Es ist nicht gesund, jedenfalls nicht für ein Kind. «Der als Experte herbeigezogene Ernährungsmediziner ist zum Schluss gekommen, dass die vegane Kost nicht ausgeglichen ist, weil sie zu einer Unterversorgung bestimmter Nährstoffe und Vitamine führt, die für das Wachstum im Kindesalter wichtig sind», begründete der Richter seinen Entscheid. Es handelt sich um das erste Urteil dieser Art in Italien und damit um einen Präzedenzentscheid.

Geklagt hatte der geschiedene Vater des Zwölfjährigen, aus Sorge um die Gesundheit und die körperliche Entwicklung seines heranwachsenden Sohnes:

Weil die Mutter vor einigen Jahren Veganerin geworden ist, musste fortan auch das gemeinsame Kind auf Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte und sogar auf Honig verzichten, wie dies bei der vegane Ernährung üblich ist.

Das hielt der Vater für bedenklich - trotz des Umstands, dass er seinen Sohn praktisch jedes Wochenende bei sich hat und ihm bei dieser Gelegenheit jeweils eine "bistecca", ein Gulasch, ein Schnitzel oder einen saftigen Braten zubereiten kann - und dies auch immer tut. Ganz fleischlos lebte der Heranwachsende also nicht.

Die Eltern hatten sich vor acht Jahren getrennt. Die gegenseitigen Absprachen über die Betreuung des Kinds funktionierten zu Beginn ganz gut, bis die Mutter den Speiseplan änderte und auf vegane Ernährung umstellte.

Mutter: «Absurdes Urteil!»

Die Mutter sagt, dass es ihr und auch ihrem Sohn dank der neuen Art, sich zu ernähren, gesundheitlich und psychisch sehr viel besser gehe.

Schlecht seien dagegen die Fleisch-Wochenenden beim Vater: «Er kommt dann immer ganz bleich zurück, hat Magenschmerzen und eine überlastete Leber», erzählte sie gegenüber der Lokalzeitung «Echo von Bergamo». Doch der Vater dachte nicht daran, seinem Sohn die geliebte «bistecca» vorzuenthalten und ging vor Gericht.

Nun verdonnerte Richter Siniscalchi die «mamma» dazu, dem Sohn unter der Woche mindestens ein Fleischgericht zu servieren; der «papà» wiederum wurde verpflichtet, es an den Wochenenden nicht zu übertreiben und höchstens zweimal Fleisch aufzutischen.

Somit wird der Zwölfjährige ab sofort drei Fleischmahlzeiten pro Woche zu sich nehmen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Mutter bezeichnet das Urteil als «absurd»: Es könne doch nicht angehen, dass der Staat ihr vorschreibe, was sie ihrem Kind zu essen gebe. "Wenigstens", findet sie, "hätte der Richter verfügen können, dass der Vater auch einmal einen Fisch brät."

Der Sohn weiss um den Streit seiner Eltern und auch um den Prozess. Laut seiner Mutter leidet er nicht gross darunter: "Er ist ein gesunder und schöner Junge und wiegt 39 Kilo. Er ist super in Form."