Mafia-Prozess

Gericht in Mailand verurteilt 110 Mafiosi zu langen Haftstrafen

Die italienische Polizei verhaftet ein mutmassliches Miglied der 'Ndrangheta im März 2011 (Archiv)

Die italienische Polizei verhaftet ein mutmassliches Miglied der 'Ndrangheta im März 2011 (Archiv)

In einem grossen Mafia-Prozess hat die italienische Justiz am Samstagabend 110 Mafiosi zu langen Haftstrafen verurteilt. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, standen in Mailand insgesamt 119 Angeklagte wegen Mitgliedschaft in der kalabrischen 'Ndrangheta vor Gericht.

Zwei mutmassliche Chefs von Mafia-Clans aus der Region um Mailand, Alessandro Manno und Cosimo Barranca, wurden zu 16 und 14 Jahren Haft verurteilt. Für zwölf Jahre muss der mutmassliche Mailänder 'Ndrangheta-Boss Pasquale Zappia ins Gefängnis. Er erlitt laut Ansa bei der Urteilsverkündung einen Schwächeanfall und wurde ins Spital gebracht.

Die Angeklagten, die jetzt in Mailand vor Gericht standen, waren im Juli 2010 beim grössten Einsatz der italienischen Polizei gegen die 'Ndrangheta seit 15 Jahren festgenommen worden. Unter den insgesamt mehr als 250 Festgenommenen war damals auch der mutmassliche Chef der kalabrischen Mafiaorganistaion, der damals 80-jährige Domenico Oppedisano.

Die meisten Festgenommenen kamen vor Gericht. Sie waren neben den illegalen Geschäften im Bauwesen wegen Erpressung, Einschüchterung und Brandstiftung in etwa 130 Fällen angeklagt. Unter den Verurteilten ist auch ein Regionalpolitiker, der mit der Mafia kooperiert hatte.

Acht Freisprüche

Acht Angeklagten wurden freigesprochen oder das Verfahren gegen sie wurde eingestellt. Einer starb während des Prozesses. In dem Massenverfahren hatte die Staatsanwaltschaft insgesamt leicht höhere Strafen gefordert.

Die Angeklagten reagierten auf die Urteilsverkündung im Gericht mit Beleidigungen und applaudierten höhnisch - auch mit Blick auf ihre Verteidiger, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Infiltration des reichen Nordens

Die 'Ndrangheta hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zur stärksten und gefürchtetsten Mafiaorganisation Italiens entwickelt. Sie hat ihren Ursprung in der Region Kalabrien an der Stiefelspitze.

Das durch die Grossrazzien aufgedeckte Vordringen in den italienischen Norden hatte im vergangenen Jahr grosses Aufsehen erregt. Mafia-Jäger hatten zuvor immer wieder vor der Infiltration des reichen Nordens durch das organisierte Verbrechen gewarnt.

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