Frankreich

Geiselnehmer töten Priester in Kirche: Täter gehörten laut Präsident Hollande zu «IS»

Zwei mit Messern bewaffnete Männer haben am Dienstagvormittag in einer Kirche in der Normandie sechs Geiseln genommen. Eine Spezialeinheit der Polizei umstellte die Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray und erschoss die Geiselnehmer, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Mittag mitteilte.

Kurz vor 11 Uhr haben am Dienstag zwei mit Hieb- oder Stichwaffen bewaffnete Männer die katholische Kirche in der nordfranzösischen Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray gestürmt.

Die Täter kamen durch die Hintertüre und nahmen sechs Geiseln in ihre Gewalt – darunter Priester, zwei Nonnen und zwei Kirchgänger. Die Zeitung "Le Figaro" hatte unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, dass eine Frau fliehen konnte. Sie hatte sofort die Polizei alarmiert.

Saint-Etienne-du-Rouvra

Szenerie Geiselnahme: Polizisten bringen sich vor der Kirche in Stellung.

Szenerie Geiselnahme: Polizisten bringen sich vor der Kirche in Stellung.

Innert kürzester Zeit traf die Spezialeinheit BRI (Brigade de Recherche et d'Intervention) am Ort des Geschehens ein. Die Geiselnahme wurde zügig beendet. Dabei wurden beide Geiselnehmer «neutralisiert», wie «France24» berichtet. Die französische Polizei bestätigte bereits kurz nach 11 Uhr auf Twitter, dass die Geiselnahme beendet sei:

Die französische Polizei erklärt die Geiselnahme als beendet.

Die beiden Angreifer seien aus der Kirche herausgekommen und von der Polizei neutralisiert worden, sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet. Die Tat habe sich während der Morgenmesse ereignet.

Polizei bringt sich vor Kirche in Stellung

Geiselnehmer beriefen sich auf Terrormiliz IS

Bei der Geiselnahme verlor eine weitere Person ihr Leben, wie der Sender «FranceInfo» berichtet. Gemäss «Le Figaro» haben die Geiselnehmer vor der Stürmung durch die Polizei den Pfarrer getötet, indem sie ihm seine Kehle durchschnitten.

Pierre-Henry Brandet, Sprecher des Pariser Innenministeriums, informiert über die Geiselnahme in Saint-Etienne-du-Rouvray.

Pierre-Henry Brandet, Sprecher des Pariser Innenministeriums, informiert über die Geiselnahme in Saint-Etienne-du-Rouvray.

Eine weitere Person sei sehr schwer verletzt worden, sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, dem Sender «FranceInfo.fr». 

Über die Hintergründe gab es zunächst keine Informationen: Sowohl Identität als auch Motivation der Geiselnehmer sind derzeit unklar. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Frankreichs Präsident François Hollande hat die Geiselnahme in einer nordfranzösischen Kirche als terroristischen Anschlag bezeichnet. Die beiden "Terroristen" hätten sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Das sagte Hollande am Dienstag bei einem Besuch am Tatort in der Nähe von Rouen. Frankreich, das einmal mehr auf die Probe gestellt werde, müsse den "Krieg" gegen den IS mit allen Mitteln führen, fügte er hinzu. Weitere Details nannte er nicht.

Die für Terrorismus-Bekämpfung zuständige Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Sprengstoffspezialisten durchsuchten die komplett abgeriegelte Gegend um die Kirche nach Bomben.

Nach der Geiselnahme übernahm die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft die Ermittlungen, wie die Behörde mitteilte.

Frankreichs Präsident François Hollande und Innenminister Bernard Cazeneuve begaben sich am Dienstag zum Ort der Geiselnahme. Auf Fernsehbildern waren Hollande und Cazeneuve im Gespräch mit Einsatzkräften zu sehen.

Präsident Hollande ist in Saint-Etienne-du-Rouvray angekommen

Präsident François Hollande in Saint-Étienne-du-Rouvray

Präsident François Hollande in Saint-Étienne-du-Rouvray

Und auch Premierminister Emanuel Valls zeigte sich angesichts der «barbarischen Attacke in einer Kirche» entsetzt: «Ganz Frankreich und alle Katholiken sind verletzt. Wir stehen zusammen.» 

Vatikan nennt Tötung von Priester barbarisch

Der Vatikan hat den tödlichen Angriff auf einen Priester in der Normandie aufs Schärfste verurteilt. Es handle sich um eine "barbarische" Tat, erklärte der Vatikan am Dienstag. Sie sei um so abscheulicher, da sie sich in einer Kirche zugetragen habe.

Papst Franziskus sei angesichts des "Schmerzes und des Gräuels dieser absurden Gewalt" erschüttert, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst verurteile jede Form von Hass auf das Schärfste.

Der getötete Priester Jacques Hamel

Zwei mit Messern bewaffnete Männer hatten in einer Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray in Nordfrankreich fünf Geiseln genommen, darunter einen Priester. Sie töteten ihn, bevor sie von der Polizei erschossen wurden. Der Geistliche war nach Angaben des Erzbischofs von Rouen 86 Jahre alt.

Bischof von Rouen kehrt nach Frankreich zurück 

Dominique Lebrun, der Erzbischof von Rouen, will nach dem tödlichen Angriff in einer Kirche im französischen Saint-Étienne-du-Rouvray vom Weltjugendtag im polnischen Krakau nach Frankreich zurückkehren.

Er wolle am Abend in seinem Bistum bei der unter Schock stehenden Gemeinde sein. "Ich schreie zu Gott, zusammen mit allen Menschen guten Willens" schrieb er in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme. "Ich möchte auch die nicht gläubigen (Menschen) bitten, in diesen Schrei einzustimmen."

Die katholische Kirche habe keine anderen Waffen als "Gebete und Brüderlichkeit unter den Menschen", schrieb der Bischof. "Ich lasse hier (in Krakau) Hunderte junger Menschen zurück, die die Zukunft der Menschheit sind, und ich rufe sie auf, nicht vor der Gewalt zu kapitulieren, sondern Apostel der Zivilisation der Liebe zu sein."

Ein Video vom Tatort der Geiselnahme in Saint-Etienne-du-Rouvray.

Ein Video vom Tatort der Geiselnahme in Saint-Etienne-du-Rouvray.

Geiselnahme in einer Kirche in Nordfrankreich

Geiselnahme in Frankreich

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