Gemäss Watson handelt es sich um den gebürtigen Iraner Man Haron Monis, der seit 1996 in Australien lebt. Er floh nach Australien, weil er in seiner Heimat wegen seiner liberalen Auslegung des Islams verfolgt wurde.

In Australien erhielt er Asyl. Seine Frau und seine Kinder sollen vom Regime in Teheran festgehalten worden sein. Aus dem schiitischen Ajatollah wurde in Australien ein radikaler Sunnit. 

Auf seiner Internetseite hetzte er nicht nur gegen die USA und Grossbritannien, sondern auch gegen Australien: «Islam ist die Religion des Friedens, darum kämpfen wir Muslime gegen die Unterdrückung und den Terror der USA und seiner Verbündeten Grossbritannien und Australien.» Und weiter: «Wenn wir gegenüber den Kriminellen ruhig bleiben, können wir keine friedliche Gesellschaft haben.»

Der Geiselnehmer von Sydney

Vor dem Geiseldrama befand er sich auf Kaution in Freiheit, wie etwa der TV-Sender 9News berichtete. Ihm werde in dem Fall vorgeworfen, den Mord an seiner Ex-Frau im November 2013 in Auftrag gegeben zu haben. Er wurde wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. 

Die Frau war im April 2013 niedergestochen und angezündet worden. Laut Anklage soll Monis' neue Partnerin Amirah Droudis die Frau umgebracht haben, er selbst habe ihr dabei geholfen. Allerdings entliessen die Behörden das Paar auf Bewährung, weil die Indizien nicht ausreichten. 

Geiselnehmer von Sydney 2

Monis, der sich selbst als «Sheikh Haron» nennt, also sich selbst zum Scheich ernannt hat, hat in den letzten Jahren mit Briefen an Familien von in Afghanistan gefallenenen australischen Soldaten für Aufsehen gesorgt. Er bezeichnet die Verstorbenen unter anderem als «schmutzige Schweine». Er forderte ihre Familien auf, sich für einen Abzug der australischen Truppen vom Hindukusch einzusetzen. Selbst bezeichnete Monis sich als Friedensaktivist. Wegen der Hassbriefe musste er 300 Stunden Sozialarbeit leisten.

Zudem betätigte er sich in einer Art Praxis als «Heiler». Dort soll es zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Erst am vergangenen Freitag soll er wegen sexueller Übergriffe in 22 Fällen und schwerer Körperverletzung in 14 Fällen angeklagt worden sein. 

Muslime distanzieren sich

Innerhalb der muslimischen Gemeinde Australiens galt Monis als Scharlatan. Entsprechend scharf waren die Reaktionen auf die Geiselnahme. Der Grossmufti Australiens sprach von einem «kriminellen Akt». «Solche Aktionen werden im Islam verurteilt», sagte er. (nch/sda)

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