Thomas Grüter, Mediziner und Endzeitforscher aus Münster im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen, bereitet sich jedenfalls auf Weihnachten vor wie jedes Jahr, für ihn geht die Welt nicht unter. «Weder erwarte ich den geheimnisvollen Planeten ‹Nibiru› noch glaube ich, dass irgendetwas Besonderes geschieht, nur weil der grosse Zyklus des Mayakalenders umspringt und ein neuer Zeitabschnitt anfängt», sagt er überzeugt.

Die Hoffnung der Auserwählten

«Hand in Hand mit den Weltuntergangstheorien geht immer der Erlösungsgedanke, die Vorstellung, ‹nur wir Auserwählten werden gerettet›», erklärt Apokalypse-Forscher Grüter. Diese Idee, sagt er, sei schon bei den alten Ägyptern populär gewesen, und sowohl Christentum als auch Islam basierten darauf: Hier kämpft Gut gegen Böse, lockt der Himmel oder droht die Hölle.

Das ist nicht weiter dramatisch, wenn sich solche Gedanken auf den Glauben beschränken und in schönen Geschichten wie jener von Noah und seiner Arche zum Tragen kommen. Schlimmer wird es aus Grüters Sicht, wenn sich flammende Überzeugungen bis in die Politik hineindrängen, wie in Amerika, wo bei Präsident Barack Obamas erster Wahl nicht nur einzelne Fanatiker, sondern ganze Gruppierungen von evangelikalen Christen ernsthaft unterstellten, dieser könnte der Antichrist sein.

Ein Drittel aller Republikaner, und das bereitet Grüter echte Sorgen, bekenne sich zu solchen Ansichten, und etliche seien bereit, im baldigen Armageddon, dem letzten, entscheidenden Kampf «Gut gegen Böse», kompromisslos anzutreten. «Das ist der einzige Bereich, in dem die Apokalypse gefährlich werden kann», sagt der Wissenschafter.

Gegen solche Szenarien nimmt sich ein 21. Dezember harmlos aus, auch wenn gemäss einer Umfrage von Reuters ungefähr fünf Prozent der Befragten an das baldige Ende glauben. Dieter Sträuli, Psychologe, Experte für Pseudowissenschaften und Präsident der Sektenberatungsstelle InfoSekta, sagt sogar: «Ich habe ein wenig die Nase voll von Apokalypsen.» Er hat schon den Weltuntergang von 2000 durchgespielt, der nach seinem Nichteintritt von findigen Köpfen kurzerhand um ein Jahr nach hinten verschoben wurde und auch dann nicht stattfand.

Ganz so locker nimmt er das Datum trotzdem nicht: «Man ist immer etwas in Sorge um Einzelne oder Gruppen, bei denen das Weltuntergangs-Szenario in Kurzschlusshandlungen münden könnte. Aber wirklich voraussagen kann man das leider nicht», sagt er.

Mit Gleichgesinnten untergehen

Warum sich Leute von solch hirnrissigen Ideen überzeugen lassen, erklärt er mit unserer Kultur: «Im Alter von ungefähr sechs Jahren realisieren wir, dass wir alle irgendwann sterben werden, und diese Vorstellung beschäftigt uns ein Leben lang. Die Idee, nicht allein, sondern mit Gleichgesinnten von dannen zu gehen, und nicht still, sondern quasi mit Pauken und Trompeten in einem spektakulären Weltuntergang – das ist verlockend und tröstlich.»

Sträuli ist überzeugt, dass nicht nur Unwissenheit, sondern gerade die Masse unseres heutigen Wissens die Leute dazu bringen kann, an abstruse Weltuntergangsszenarien zu glauben: «Wir erfahren von der Astrophysik immer mehr über das Universum, über gefährliche schwarze Löcher und tödliche Gammablitze – das macht Angst und zeigt, wie fragil unser Leben auf der Erde ist.»

Allerdings denken Astrophysiker in wesentlich grösseren Dimensionen. George Lake von der Universität Zürich beispielsweise erwartet in den nächsten zehn Millionen Jahren keinen Untergang. Und sein Kollege Ben Moore rechnet in seinem Buch «Elefanten im All» vor, dass unser 13,7 Milliarden Jahre altes Universum sich zwar laufend ausdehnt, dass es aber noch einmal so alt werden kann, bis definitiv nichts mehr davon übrig bleibt.

Stimmen solche Berechnungen auch nur bis auf ein paar Millionen Jahre genau, wird sich auch die nächste prominente Weltuntergangs-Prophezeiung kaum bewahrheiten. Diese ist bereits auf das Jahr 2060 datiert, und ironischerweise berufen sich die Anhänger dieser Theorie auf Berechnungen des britischen Naturwissenschafters Isaac Newton: Der Entdecker der Gravitation soll ausgerechnet haben, dass 1260 Jahre nach der Krönung Kaiser Karls des Grossen im Jahr 800 jederzeit die Erde untergehen könne.