Syrien

Geheime Depeche soll Einsatz von Nervengas in Syrien beweisen

Amateuraufnahmen, die während eines Angriffs entstanden sein sollen

Amateuraufnahmen, die während eines Angriffs entstanden sein sollen

Die Truppen des Assad-Regimes sollen am 23. Dezember in Homs das Nervengas «BZ 15» eingesetzt haben. Davon zeugt angeblich eine Geheim-Depeche. Damit wäre die «rote Linie» überschritten, die US-Präsident Obama gesetzt hatte.

Der normalerweise gut informierte Journalist Josh Rogin hat in seinem Blog «The Cable» eine brisante Enthüllung publiziert: Am 23. Dezember 2012 sollen die syrischen Regierungstruppen in Homs Chemiewaffen eingesetzt haben, schreibt Rogin auf der Website des renommierten US-Magazins «Foreign Policy». Seine Quelle ist eine geheime Depesche, die Scott Frederic Kilner, der US-Generalkonsul in Istanbul, vergangene Woche ans Aussenministerium in Washington gesandt hat. Darin wird eine umfangreiche Untersuchung von US-Diplomaten in der Türkei zum Thema zusammengefasst.

(Quelle: youtube/Rafeeq Homs)

Gegen diese Männer wurden angeblich Chemie-Waffen eingesetzt

Kilners Bericht stützt sich auf Interviews mit syrischen Aktivisten, Ärzten und Überläufern ab, darunter auch einem Treffen mit General Mustafa al-Scheich, einem hochrangigen militärischen Insider in Assads Massenvernichtungsprogramm, der sich aber im letzten Jahr ins Ausland abgesetzt hat. Ein Regierungsbeamter aus Washington fasste gegenüber «Foreign Policy» den Inhalt des brisanten Telegrams wie folgt zusammen: «Wir sind noch nicht 100 Prozent sicher, aber unsere syrischen Kontakte haben überzeugende Belege dafür gesammelt, dass am 23. Dezember in Homs Agent 15 eingesetzt worden ist.»

5 Tote, 100 Verletzte

Agent 15, auch bekannt als «BZ 15» ist ein tödliches Nervengas. Auf Youtube kursieren seit Anfang Jahr Videos, welche die Opfer des vermeintlichen Giftgas-Einsatzes zeigen sollen, wie sie um Luft ringen und sich erbrechen. Josh Rogin sprach mit zwei Ärzten in Homs, die am 23. Dezember im Einsatz waren. Die syrischen Mediziner glauben nicht, dass Agent 15 eingesetzt worden; es sei aber Giftgas gewesen und mit Sicherheit kein harmloses Tränengas.

Das Gas sei mit Artilleriegranaten eingesetzt worden. Fünf Menschen seien daran gestorben und 100 Menschen hätten schwere Gesundheitsschäden davongetragen. «Es war eine Chemiewaffe», sagte Dr. Nashwan Abu Abdo im Interview. «Denn Tränengas führt nicht zum Tod von fünf Menschen.» Das Giftgas habe schnell gewirkt, und viele Patienten seien 12 Stunden später erneut ins Spital gekommen, das Gas habe zum Teil ihr zentrales Nervensystem angegriffen.

Obamas «rote Linie»

Der Einsatz von Chemiewaffen durch das Assad-Regime gegen seine eigene Bevölkerung ist von US-Präsident Barack Obama im Dezember als «Überschreiten einer roten Linie» beschrieben worden, die eine direkten US-Militärintervention in Syrien zur Folge haben würde. Kilners Bericht setzt das Weisse Haus deshalb unter Druck. Sollten sich die Hinweise der syrischen Quellen auf einen Chemiewaffen-Einsatz bestätigen, seinen Worten vom 3. Dezember Taten folgen zu lassen. «Der Einsatz von Chemiewaffen ist und wäre total inakzeptabel», hatte Obama damals betont. Falls Assad den «tragischen Fehler» begehen würde, Chemiewaffen einzusetzen, hätte das Konsequenzen. Gleichentags drohte auch Aussenministerin Hillary Clinton, die USA würden dann militärisch intervenieren.

Das Weisse Haus dementiert

Weil aber der Syrien-Krieg von einem Propagandakrieg sondergleichen begleitet wird, muss die Faktenlage eindeutig sein. Am Mittwoch dementierte das Weisse Haus die angebliche Enthüllung von «Foreign Policy». Sprecher Tommy Vieto sagte: «Die uns vorliegenden Medienberichte über vermutliche Zwischenfälle mit Chemiewaffen in Syrien entsprechen aus unserer Sicht nicht dem Stand der Dinge in Bezug auf das syrische C-Waffen-Programm.» Auch die Assad-Regierung hat stets beteuert, sie werde ihre Chemiewaffen unter keinen Umständen gegen die eigene Bevölkerung einsetzen.

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