Italien

Gefechte zwischen Migranten und der Polizei mitten in Rom

Wasserwerfer gegen Migranten auf der Piazza dell’ Indipendenza in Rom.ANGELO CARCONI/EPA/KEY

Wasserwerfer gegen Migranten auf der Piazza dell’ Indipendenza in Rom.ANGELO CARCONI/EPA/KEY

Die Krawalle erinnern daran, wie wenig für anerkannte Flüchtlinge getan wird.

Nach der Räumung eines von mehreren hundert Migranten besetzten Hauses ist es gestern in Rom zu Zusammenstössen zwischen der Polizei und den obdachlos gewordenen Einwanderern gekommen. Bei den Ausschreitungen wurden laut Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen insgesamt 13 Migranten verletzt; die Polizei meldete 4 verletzte Beamte.

Die Ordnungskräfte traten beim Einsatz bei der Piazza dell’ Indipendenza unweit des Bahnhofs Termini massiv auf und setzten Schlagstöcke und Wasserwerfer ein. Die Migranten wiederum warfen Gasflaschen, Brandsätze und Steine gegen die Polizisten. Die Scharmützel, die sich auch vor den Bahnhof Termini und in die belebte Via Cavour verlagerten, dauerten rund sechs Stunden. Zu einem totalen Verkehrschaos kam es nur deshalb nicht, weil sich viele Römer noch in den Sommerferien am Meer befinden.

Seit 2013 besetzt

Auslöser der Zusammenstösse war die Räumung eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes an der Piazza dell’ Indipendenza, das sich heute im Besitz eines privaten Fonds befindet. Das Gebäude war 2013 von mehreren hundert Flüchtlingen, hauptsächlich aus Eritrea und Äthiopien, besetzt worden. Nachdem ein Richter die Räumungsklage der Besitzer im Jahr 2015 gutgeheissen hatte, wurde das Haus vor vier Tagen von einem Grossaufgebot der Polizei geräumt. Eine Wohnalternative wurde den Migranten von der Römer Stadtverwaltung zunächst nicht angeboten. In der Folge campierten einige hundert von ihnen auf der Piazza, bis diese gestern ebenfalls geräumt wurde.

Vor der Räumung hatte die von Virginia Raggi angeführte Stadtregierung den Migranten schliesslich doch noch Wohnraum angeboten. Allerdings nicht mehr im Stadtzentrum, sondern weit ausserhalb. Das Angebot wurde von den Betroffenen ausgeschlagen. Die Räumung der Piazza sei damit unumgänglich geworden, zumal die Migranten beabsichtigt hätten, ihr Camp bis mindestens Samstag aufrechtzuerhalten, betonte der Römer Polizeichef. Das UNO-Kinderhilfswerk Unicef wiederum kritisierte, dass bei der Räumung Dutzende von Flüchtlingen, darunter auch verängstigte und weinende Kinder, in Bussen abtransportiert worden seien.

Der Sprecher von Unicef Italien, Andrea Iacomini, betonte, dass die Hausbesetzung und die anschliessende Räumung mit der aktuellen Flüchtlingskrise wenig zu tun habe. Bei den Hausbesetzern handle es sich zum weitaus grössten Teil um Flüchtlinge, die schon seit mehreren Jahren in Rom lebten und nicht nur über eine ordentliche Aufenthaltsgenehmigung, sondern auch über einen Arbeitsplatz verfügten. Ihre Kinder gingen im Quartier zur Schule. Dass in Italien wenig für die Integration der Flüchtlinge getan werde, kritisieren Hilfswerke schon länger. Nach der Behandlung des Asylgesuchs werden die Flüchtlinge meist sich selbst überlassen. Wer Glück hat, findet eine Arbeit und eine Wohnung, die anderen landen auf der Strasse oder werden als eine Art moderne Sklaven ausgebeutet. Die jüngsten Ereignisse haben diesen Mangel wieder einmal in Erinnerung gerufen.

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