Es waren wirklich nur Details, die nicht klappten. Eine Entgiftungs-Dusche klemmte zuerst, und einzelnen Helfern lief die Gasmaskenscheibe innen an. Doch genau wegen solcher Problemchen wurde die Notfallübung im Stadion der südfranzösischen Stadt Nîmes ja veranstaltet.

Die Aufgabe lautete: Ein Terrorist zünde auf den Tribünen eine Bombe, die auch noch chemische Dämpfe freisetze. Die 1200 Polizeischüler, die ausgelassene, bunt bemalte Fussballfans spielten, sowie die echten Gendarme, Helfer und Krankenhäuser versuchten, die Bedrohungslage so real wie möglich nachzustellen. Dasselbe geschieht bei 75 Notfallübungen, die im Hinblick auf die Fussball-Europameisterschaft vom 10. Juni bis 10. Juli in Frankreich organisiert werden.

In zehn Stadien von Marseille bis Lille, von Bordeaux bis Lyon und Paris bis Nizza finden insgesamt 51 Spiele statt. 2,5 Millionen Sitzplätze werden angeboten, die meisten Karten sind verkauft. Dazu kommen in jeder EM-Stadt Fanmeilen, die bis zum Ende des Turniers rund sieben Millionen Besucher anziehen dürften. Macht insgesamt fast zehn Millionen Gäste.

Sogar das Undenkbare wird diskutiert – eine Absage der EM. Für Frankreich, das sich darauf seit Jahren vorbereitet und mehrere neue Stadien gebaut hat, kommt das derzeit aber nicht infrage. «Das wäre eine Niederlage, ein Sieg für die Terroristen», erklärte Premierminister Manuel Valls am Mittwoch. Auch Sport-Staatssekretär Thierry Braillard erklärte: «Die EM zu annullieren oder zu vertagen, hiesse, diesen Feiglingen recht zu geben.»

Geisterspiele sind möglich

In den Bereich des Möglichen rücken hingegen weniger radikale Einschnitte, wie es sie an solchen Meisterschaften noch nie gegeben hatte. Ohne Zuschauer? Uefa-Vize Giancarlo Abete räumt ein, das Risiko solcher Geisterpartien bestehe nun einmal bei so gedrängten Turnieren. Die Absage eines Spiels – wie etwa Deutschland - Niederlande im November in Hannover nach einer anonymen Sprengstoffdrohung – ist technisch unmöglich. Eine Geisterpartie vor verschlossenen Türen liesse sich aber zumindest denken.

Auf der Strecke bliebe der Sportsgeist. «Wir sind entschlossen, diesem grossen Ereignis seinen volksnahen und geselligen Charakter zu bewahren», erklärte Ex-Premierminister Alain Juppé, der den Verband der zehn Austragungsorte leitet, am Dienstag bei einem Sicherheitstreffen. «Die Herausforderung ist gross, die Bedrohung maximal, aber wir werden der Angst nie weichen.» Die fast schon beschwörende Aussage hört sich wie das neue Programm der «Euro 2016» an.

Noch unsicherer ist, ob die Fanmeilen mit 10 000 bis 100 000 Stehplätzen an allen Austragungsorten oder bei allen Spielen zugelassen werden. Beim Sicherheitstreffen wurde dem Vernehmen nach beschlossen, alle Besucher der Fanmeilen körperlich abzutasten und wenn möglich sogar durch Metalldetektoren schreiten zu lassen; Videokameras und Minensuchgeräte sollen das stadionähnliche Dispositiv ergänzen.

Der konservative Abgeordnete Eric Ciotti hält einen solchen Aufwand aber für zu gross. Das Sicherheitspersonal werde im aktuellen Anti-Terror-Dispositiv Vigipirate gebraucht, das im ganzen Land von Bahnhöfen über Flughäfen bis zu Konzertsälen in Kraft ist, meinte er, um in aller Klarheit zu twittern: «Ich denke, man sollte diese Fanmeilen unterbinden.»