Ihren Namen bekam sie vom Vater. Bill Clinton soll den Folk-Song «Chelsea Morning» von Joni Mitchell derart geliebt haben, dass er seiner Gattin verkündete, er wolle seine erste Tochter Chelsea taufen. Geprägt wurde das einzige Kind von Bill und Hillary Clinton aber vor allem durch die Mutter. Die blitzgescheite Chelsea, 36 Jahre alt, gilt als introvertiert und kontrolliert. Ähnlich wie Hillary Clinton, die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, ist die Gesundheitswissenschaftlerin aber auch strebsam. Mit regelmässigen Auftritten im Wahlkampf versucht Chelsea deshalb, ihre natürliche Scheu abzustreifen. Das klappte bisher nicht schlecht – deshalb auch wird sie heute Donnerstag am Parteitag der Demokraten eine Rede über ihre Mutter halten.

Allerdings zeigten die Auftritte im Vorwahlkampf auch, dass Chelsea noch einen langen Weg vor sich hat, will sie ebenfalls in die Politik einsteigen. So kritisierte sie in diesem Frühjahr den Clinton-Konkurrenten Bernie Sanders in scharfen Worten und sagte: «Wir wählen keinen König.» Als sie daraufhin von Parteikollegen unter Beschuss genommen wurde, reagierte Chelsea dünnhäutig. Und das Clinton-Lager deutete an, dass Angriffe auf die Tochter der Präsidentschaftskandidatin nicht angebracht seien – als ob es sich bei Chelsea immer noch um den Teenager im Weissen Haus handelte.

Diese Zeit im Weissen Haus, von 1993 bis 2001, hat Chelsea zweifelsohne stark geprägt. Sie war das Rückgrat der Familie, das während des Amtsenthebungsverfahrens gegen Bill Stärke zeigte. Nach dem Auszug aus dem Weissen Haus folgte eine Karriere als Unternehmensberaterin und ein kurzes Gastspiel als Reporterin beim Fernsehsender NBC. Dann stieg Chelsea in die Familienstiftung ein, die Bill als Vehikel für seine gemeinnützige Arbeit dient. Seit 2013 gilt sie als die starke Hand in der Clinton Foundation.

Chelsea Clinton ist seit 2010 mit dem Hedge-Fund-Manager Marc Mezvinsky verheiratet. Die beiden sind Eltern von zwei kleinen Kindern. Mezvinsky (38) ist übrigens ebenfalls Kind politischer Eltern. Seine Mutter Marjorie war Mitglied des Repräsentantenhauses, als Bill ins Weisse Haus einzog. Weil sie seine politische Agenda unterstützte, wurde sie 1994 abgewählt. Vater Edward vertrat den Bundesstaat Iowa in den Siebzigerjahren im Repräsentantenhaus in Washington. 2001 landete der Ex-Politiker hinter Gittern, weil er in diverse Betrügereien verwickelt gewesen war.