Libyen

«Gaddafis Zeit ist abgelaufen»

Duell Aktuell mit Exil-Libyer Giumma El Omami

Duell Aktuell mit Exil-Libyer Giumma El Omami

Der Exil-Libyer Giumma El Omami hofft auf ein baldiges Ende der Unruhen in Libyen. Denn dann, so El Omami, könnten viele Menschen endlich wieder in ihre Heimat zurückkehren. An einen Flüchtlingsstrom nach Europa glaubt er hingegegen nicht.

Die Revolution in Nordafrika dauert weiter an. Nach Tunesien und Ägypten proben die Libyer den Aufstand und versuchen den verhassten Diktator Muammar Al-Gaddafi zu stürzen. Die Regierungen ziehen ihre Botschafter ab, das Land droht im Chaos zu versinken.

Droht der Schweiz wegen den anhaltenden Unruhen nun eine neue Flüchtlingswelle? Und was wären die Folgen?

Steigende Kriminalitätsrate?

In der vergangenen Woche warnte Martin Killias, Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Zürich, im «Tages-Anzeiger»: «Eine kurzfristige Zunahme von vielen jungen Männern bleibt in der Regel nicht ohne Folge auf die Kriminalitätsrate».

Nun bestätigte Killias seine Aussage in der Sendung «Duell Aktuell» auf dem Regionalsender Tele M1. Er betonte nochmals: «Wenn 200'000 Menschen kommen, dann haben wir ein Problem.»

Nichts desto trotz ist Killias der Ansicht, dass man den notleidenden Menschen in Libyen selbstverständlich helfen müsse.

Rückkehr in die Heimat

«Gaddafis Zeit ist abgelaufen», sagt hingegen der zweite «Duell Aktuell»-Gast Giumma El Omami. Der Exil-Libyer und Menschenrechtstaktivist, der vor 13 Jahren in die Schweiz geflüchtet ist und derzeit für das inzwischen bekannte libysche Informationszentrum in Olten arbeitet, glaubt denn auch nicht, dass massenhaft Leute aus seiner Heimat nach Europa fliehen werden.

Im Gegenteil: Wenn das verhasste Gaddafi-Regime erst einmal gestürzt sei, sagt Omami, würden viele Exil-Libyer in ihre Heimat zurückkehren. Auch er selbst will, «sobald das möglich ist» endlich wieder einmal seine Heimatstadt Bengasi besuchen, in der er seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr war.

Der Menschrechtsaktivist betont zudem, dass es sich bei den Unruhen in Libyen nicht um einen Bürgerkrieg handelt, bei dem sich das Volk gegenseitig bekämpft. «Vielmehr erhebt sich das Volk gemeinsam gegen das Regime.»

Humanitäre Hilfe ja, militärische Intervention nein

El Omami appelliert an die internationale Gemeinschaft, dass diese die libysche Übergangregierung anerkennt und die humanitäre Hilfe vor Ort intensiviert. Auch solle sie endlich eine Flugverbotszone über Libyen einrichten, um die Aufständischen vor Attacken des Gaddafi-Regimes zu schützen.

Er ist allerdings - im Gegensatz zu Strafrechtsprofessor Killias – strikte gegen eine militärische Intervention des Auslands in dem nordafrikanischen Land. (bau)

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