In idyllischer Umgebung treffen am Sonntag die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Industrienationen, die so genannten G-7, auf Schloss Elmau (Bayern) zusammen. Unter dem Vorsitz der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel erörtern sie bis Montag die wichtigsten weltpolitischen Themen.

Bei den Gesprächen geht es um den Kampf gegen die Terrormiliz IS, den Konflikt in der Ukraine, die Atomverhandlungen mit Iran, aber etwa auch um die Bekämpfung der Ebola-Seuche in Westafrika.

Nicht mit von der Partie ist der russische Präsident Wladimir Putin. Russland war nach der Annexion der Halbinsel Krim im vergangenen Jahr ausgeschlossen worden; das Treffen, das damals eigentlich in Sotschi am Schwarzen Meer stattfinden sollte, war nach Brüssel verlegt worden. Merkel sieht keine Chance auf eine baldige Rückkehr Russlands an den G-8-Verhandlungstisch.

«Eine Teilnahme Russlands ist zurzeit nicht vorstellbar», sagte sie gestern in einem Interview mit der deutschen Nachrichtenagentur dpa. Allerdings räumte die Kanzlerin ein, dass es in der Ukraine oder im Syrien-Konflikt ohne Russland keine Lösung gebe. Deshalb tausche sie sich weiterhin regelmässig mit Präsident Wladimir Putin aus. Zudem sei Russland noch immer bei der G-20 vertreten.

Stephen Harper spricht Klartext

Einen noch härteren Kurs fährt Kanada. Premierminister Stephen Harper will Russland für die Dauer von Putins Präsidentschaft von den Treffen ausschliessen. «Ich denke nicht, dass Russland unter Wladimir Putin zur G-7 gehört – Punkt», sagte Harper der Nachrichtenagentur AP. Kanada sei strikt dagegen, dass Putin je wieder mit am Tisch sitze. Putin habe den Ausgang des Kalten Krieges nie akzeptiert, sagte Harper.

Russland führe sich wie ein strategischer Rivale auf, der die Ziele des Westens aus Prinzip ablehne. «Ich denke nicht, dass sich Russland unter diesem Führer in irgendeiner Weise ändern wird», sagte der konservative Politiker.

Das G-7-Treffen hat Tausende von Globalisierungskritiker mobilisiert. Im Fokus ihrer Kritik steht vor allem das geplante TTIP-Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA, das nach Meinung der Globalisierungskritiker vor allem den Konzernen, nicht aber den Menschen nütze. Auf einem Alternativ-Gipfel übte der ehemalige SP-Nationalrat Jean Ziegler scharfe Kritik am G-7-Treffen.

Die Machthaber der Industrienationen würden nichts dagegen tun, dass Banken noch heute mit Nahrungsmitteln wie Reis, Mais oder Weizen spekulieren würden. Für am Samstag ist ein weiterer Protest angekündigt.