Nordkorea

Fussballverrückte Frauen am TV in Nordkorea

Mädchenfussball am Staats-TV. ho

Mädchenfussball am Staats-TV. ho

Bluejeans, schicke Frisuren und westliche Filme: Scheue Zeichen der Öffnung gibt es in Nordkorea , wo am 26.Dezember erstmals ein westlicher Film ausgestrahlt wurde: Das Staatsfernsehen zeigte den britischen Kinofilm «Bend It Like Beckham».

Wochenlang befand sich Korea am Rande der Eskalation. Nun scheint zwischen den beiden Korea Räson einzukehren. Einen Monat nach Nordkoreas Bombardierung einer südlichen Grenzinsel hat sich der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak für eine Wiederaufnahme der Pekinger Sechsergespräche und neue Direktkontakte mit dem Norden ausgesprochen.

Im so genannten «Neujahrskommentar», den Nordkoreas führende Zeitungen jeweils am 1.Januar drucken, sprach sich auch die Führung in Pjöngjang für einen Dialog mit Südkorea und eine Entspannung der Lage aus – «so schnell wie möglich». Der Kommentar gilt Beobachtern als Gradmesser für die wirtschaftlichen und politischen Ziele des Regimes im jeweiligen Jahr. Für 2011 rief Pjöngjang zu einer «Atmosphäre des Dialogs und der Zusammenarbeit» mit dem südlichen Nachbarn auf.

Scheue Zeichen der Öffnung und Entspannung gab es auch in Nordkorea selbst, wo am 26.Dezember erstmals ein westlicher Film ausgestrahlt wurde: Das Staatsfernsehen zeigte den britischen Kinofilm «Bend It Like Beckham» von 2002. Nordkoreaner trauten ihren Augen nicht: Anstelle der üblichen pausenlosen Propaganda kamen sie in den Genuss eines westlichen Spielfilms mit Keira Knightley und Parminder Nagra in den Hauptrollen, die zwei fussballverrückte junge Frauen darstellen.

Dass das Regime ausgerechnet einen Film ausstrahlte, der auch Tabuthemen wie Homosexualität, Liebe zwischen verschiedenen Rassen und Religion anschneidet, macht es für Nordkorea-Beobachter noch schwieriger, die Motive des Regimes zu deuten, weshalb es ausgerechnet jetzt die Ausstrahlung eines westlichen Films duldet, der den Westen noch dazu für einmal nicht dämonisiert.

Auf eine Stunde verkürzt

Der Film war auf Initiative der britischen Regierung zum zehnten Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Nordkorea ausgestrahlt worden. Das Überraschungsprogramm sollte einer verwunderten Bevölkerung offenbar gewisse Internationalität demonstrieren – in einer Zeit, da es in Nordkorea infolge internationaler Ächtung an allem fehlt.

Zwar hatten die Zensoren mehrdeutige Passagen rausgestrichen und den Spielfilm auf eine gute Stunde verkürzt, doch für einmal brach das Abendprogramm mit der üblichen Nonstop-Lobpreisung auf Führer, Armee und Modellstaat.

Doch trotz Abschottung und Endlospropaganda haben auch Nordkoreaner eine Ahnung von Hollywood und der Welt. Der Schwarzhandel mit Piraten-DVDs aus China blüht. Jeder zweite geflohene Nordkoreaner sah bereits in der alten Heimat ausländische Filme. Dies, obwohl auf den Besitz solcher Schmuggelware harsche Strafen stehen. Doch die unzensierten Filme zeigen ein weit weniger schreckliches Leben insbesondere in Südkorea, als dies die eigene Führung immer behauptet. Aufgrund dieser Filme ha-ben offenbar viele Nordkoreaner die Flucht gewagt.

Jeans und schicke Frisuren

Reisenden zufolge tragen immer mehr Menschen auch in Pjöngjang nicht mehr nur die farblosen Einheitsanzüge. Teenager und Frauen schätzen hautenge Jeans, während Männer auch mal eine von einem südkoreanischen Star abkopierte Frisur wagen.

Nordkoreas Populärkultur dient Beobachtern seit Jahren als Barometer, um die Gesellschaft im abgeschotteten Kommunistenreich zu deuten. «Einfluss von aussen ist noch nicht stark genug, um das politische Sys-tem herauszufordern», sagte dazu der Nordkorea-Kenner Yun Duk Min von Seouls Institut für Aussenpolitik und Nationale Sicherheit der «Los Angeles Times». Auch in Nordkorea gebe es Konsumententrends, noch aber seien diese auf einen kleinen Teil der Bevölkerung beschränkt. Sagt Yun: «Es wäre irreführend, zu denken, dass in Nordkorea Wandel ansteht wegen etwas Einfluss von aussen.»

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