Migranten

Für reiche Flüchtlinge führt der Weg nach Europa neu über Brasilien

Lateinamerika entwickelt sich offenbar zum neuen Drehpunkt für syrische und irakische Flüchtlinge. (Archivbild)

Lateinamerika entwickelt sich offenbar zum neuen Drehpunkt für syrische und irakische Flüchtlinge. (Archivbild)

Syrische und irakische Flüchtlinge haben eine neue Route entdeckt: Sie führt über Brasilien. Ermittler befürchten, dass sich unter den Migranten auch islamistische Terroristen befinden

Lateinamerika entwickelt sich offenbar zum neuen Drehpunkt für syrische und irakische Flüchtlinge. In den vergangenen Monaten wurden in Uruguay, Brasilien und El Salvador dutzende Männer und Frauen mit gefälschten Ausweisen festgenommen, die alle auf dem Weg nach Europa waren.

Ende Januar reisten am Flughafen von Montevideo in Uruguay sieben Männer mit israelischen Pässen ein. Sie kamen aus Brasilien. Die Migrationsbehörden stellten keine Unregelmässigkeiten fest. Am 5. Februar verliessen die Männer das Land wieder Richtung Spanien. In Madrid verlangten sie politisches Asyl und erklärten, sie seien Syrer auf der Flucht. Dort stellten die Behörden dann fest, dass die Pässe gefälscht waren, und alarmierten ihre uruguayischen Kollegen.

Pässe echt – Daten gefälscht

Im Februar wiederholte sich das Schauspiel – diesmal mit einer Gruppe von zehn Männern und Frauen. Die Pässe waren derart perfekt, dass der Scanner keinerlei Unregelmässigkeiten feststellte. Dennoch hielten die Behörden aufgrund der vorherigen Erfahrung die Gruppe für ein Verhör fest. Doch sie verweigerten jede Aussage, nahmen keine Stellung zu ihrer Nationalität und protestierten auch nicht, als sie nach Brasilien zurückgeschickt wurden. «Wir vermuten, dass es sich ebenfalls um Syrer handelt», erklärte der Direktor der Nationalen Migrationsbehörde, Carlos del Puerto. Später stellte sich heraus, dass die Pässe zwar echt, die Daten und Fotos aber manipuliert waren. Vor einigen Tagen nahmen die salvadorianischen Behörden fünf Iraker und zwei Syrer mit gefälschten israelischen Pässen am Flughafen des mittelamerikanischen Landes fest, unter ihnen zwei Minderjährige. Nachforschungen der Zeitungen «Folha de São Paulo» und «El País» ergaben, dass Brasilien Zentrum der Route ist, die vor allem von wohlhabenderen Migranten benutzt wird.

Gemäss «El País» kostet die Reise zwischen 6000 und 10'000 Euro pro Person. Die Flüchtlinge reisen auf dem Landweg nach Griechenland, in die Türkei oder die Vereinten Arabischen Emirate, wo sie Flieger nach Rio oder São Paulo besteigen. Nach Angaben des brasilianischen Repräsentanten des UNO-Flüchtlingskommissariats, Andres Ramírez, ist Brasilien wegen seiner grosszügigen Vergabe von Touristen- oder Flüchtlingsvisa interessant, und weil es dort eine syrische Immigrantengemeinde gibt. Viele wollten aber trotzdem weiter nach Europa, wo ihre Verwandten lebten. Von Brasilien aus gibt es mehrere Routen nach Europa. Eine davon führt nach Madrid, eine zweite nach Amsterdam. Die brasilianische Bundespolizei sprach von «mindestens 60 Fällen in den vergangenen Monaten» und leitete Ermittlungen ein. Gemäss Recherchen der «Folha» begann das Schleuserschema kurz vor der Fussball-WM.

Laut spanischen Ermittlern ist nicht auszuschliessen, dass sich unter den angeblichen Flüchtlingen auch islamische Fundamentalisten befinden. Mit dieser Tarnung und über den südamerikanischen Umweg schleusten sie sich in Europa ein, um dort Terrornetzwerke aufzubauen. Bei der Aushebung eines Menschenschleuserrings, der von Libanesen und Irakern betrieben wurde, entdeckten die Spanier Umsätze von 100'000 Euro pro Monat. Es sei nicht auszuschliessen, dass ein Teil der Gewinne an den Islamischen Staat gehe.

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