Schon um acht Uhr morgens entsteht in Kopenhagen ein angenehmes Rudelgefühl. Fünf Meter ist der Veloweg hier breit, auf vier Spuren radelt das Gewimmel aus Pendlern in Anzug oder Sommerkleid ins Zentrum. Auch Rentner und Familien sind dabei. Die Drahtesel sind so gemischt wie das Volk auf den Sätteln, die meisten sind durchschnittliche Alltagsvelos.

Das flache Kopenhagen ist die velofreundlichste Stadt der Welt; laut einer umfassenden internationalen Studie lässt die dänische Hauptstadt Utrecht und Amsterdam hinter sich. Der Hauptgrund sind Investitionen: 150 Millionen Franken hat Kopenhagen in den letzten zehn Jahren für Veloinfrastruktur ausgegeben: Für breite, abgetrennte Wege, grüne Wellen, Velobrücken.

Natürlich fährt man da mit dem Velo zur Arbeit und zur Ausbildung: 62 Prozent aller Pendler innerhalb Kopenhagens tun das, nur 9 Prozent nehmen das Auto. Wird die Agglomeration mitgerechnet, kommt das Velo auf 43 Prozent – Auto und öffentlicher Verkehr je auf 25 Prozent. Die Dänen bevorzugen das Zweirad nicht in erster Linie, weil es umweltfreundlich und gesund, sondern weil es schnell ist: direkte Routen, kaum Parkplatzsorgen. Fast 50 000 Velos sind es an guten Tagen auf der Königin-Louise-Brücke, einem der wichtigen Einfallstore in die Stadt. Hier wurde jene Massnahme getroffen, die laut Experten wie Velo-Papst Mikael Colville-Andersen den Veloverkehr entscheidend in Schwung bringt: Mehr Platz – «und das geht einfach nur auf Kosten der Autos, wenn man es ernst meint», sagt der Stadtplaner. Auf der Brücke und der Zufahrtsstrasse wurde die Anzahl Spuren reduziert, die Velostreifen sowie Trottoirs wurden verbreitert.

Dennoch glänzt auch in Kopenhagen nicht alles. Neuste Statistiken zeigen, dass man im Verkehr über die Stadtgrenze hinaus im Vergleich zu 2008 heute leicht weniger Velo-, aber etwas mehr Autofahrten zählt. Gleichzeitig gibt es in der Stadt Punkte, an denen die Infrastruktur an den Anschlag kommt: Es gibt zeitweise Staus auf den Velowegen – und Klagen über schlechte Beläge. Für die zuständige Stadträtin ist deshalb klar: Ein weiterer Ausbau ist nötig. Finanziert werden muss aber das meiste kommunal; der Staat sprach seit 2009 pro Jahr zwischen 8 und 31 Millionen Franken Fördergelder – für ganz Dänemark.