Über die Gründe des Einsturzes der Brücke wurde am Dienstag bereits spekuliert. In einigen italienischen Medien hiess es, es sei wegen des Unwetters, das zum Zeitpunkt des Einsturzes über Genua wütete, zum Einsturz gekommen. Auch soll kurz zuvor ein Blitz in die Brücke eingeschlagen sein. Auch auf dem Handyvideo eines Augenzeugen ist ein weisser Lichtstrahl zu sehen. Ob es sich aber um einen Blitz handelt, oder ob dieser durch den Einsturz entstand, ist nicht zu sehen.

Auch wurde direkt über strukturelle Probleme des Ponte Morandi diskutiert, der im Jahr 2016 saniert wurde. Die Brücke, die über den Fluss Polcevera, Gleisanlagen und ein Wohn- und Gewerbegebiet führte, wurde am 4. September 1967 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht. Benannt ist sie nach dem italienischen Ingenieur Riccardo Morandi, der die Schrägseilbrücke entworfen hat. Gebaut wurde die Brücke zwischen 1962 und 1967 von der Società Italiana per Condotte d’Acqua. Diese war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Autobahnbrücke in Genua stürzt ein

Bilder vom Unglücksort.

Doch die Betreibergesellschaft Autostrade per Italia teilte nach dem Unglück auf ihrer Internetseite mit, dass an der Sohle der Brücke derzeit gearbeitet wurde, um das Fundament der Fahrbahn zu verstärken. Auf der Brücke selbst habe ein Baukran gestanden. «Die Arbeiten und der Gesamtzustand der Brücke wurden ständig überwacht», heisst es in der Mitteilung. Die Ursache werde gründlich untersucht, sobald die Unglücksstelle sicher betreten werden könne. Der Vize-Verkehrsminister Edoardo Rixi sagte in einem Interview mit dem Nachrichtensender SkyNews24: «Es ist inakzeptabel, dass eine so wichtige Brücke nicht in einer Art und Weise gebaut war, dass ein Einsturz ausgeschlossen ist.»

Seit langem in der Kritik

Klar ist: Die Brücke stand seit Jahren unter Beobachtung – und auch seit Langem in der Kritik. «Das Ingenieurswesen ist beim Ponte Morandi gescheitert», sagte Antonio Brencich, Dozent an der Universität für Ingenieurswissenschaften in Genua. Allerdings sagte er das bereits 2016. «Früher oder später muss diese Brücke ersetzt werden. Es wurden bereits so viele Instandhaltungsarbeiten geleistet, dass es langsam günstiger wäre, etwas Neues zu bauen», so der Experte.

«Das Problem des Ponte Morandi ist, dass die Verbindungen der Seile aus Beton sind und nicht aus Metall», sagte Diego Zoppi, Mitglied des Nationalen Rates der Architekten am Dienstag. «In den 1960er Jahren hat man nicht in Betracht gezogen, dass Beton sich absenkt und dann zusammenfällt. Vor 50 Jahren hatte man noch alles Vertrauen in den Beton gesteckt – auch darin, dass er ewig hält. Heute weiss man, dass er nur wenige Jahrzehnte überdauert.»

Die Brücke, die Teil der Autobahn 10 entlang der Riviera war, war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für Genua. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung des Hafens, sind auch vermehrt Schwertransporte darüber, ein weiterer Punkt, über den nun spekuliert und diskutiert wird, ob er zum Einsturz beigetragen haben könnte. Doch am Dienstag ist vor allem die Trauer und die Fassungslosigkeit gross und über Ursachen wollen viele noch nichts wissen. «Non c›è piu il ponte, die Brücke gibt es nicht mehr», sagt ein Retter. «Es ist schlicht unfassbar.

Die Bilder der eingestürzten Brücke: