Dass die gut integrierte Türkin Funda Yilmaz nicht eingebürgert wurde, sorgte schweizweit für Schlagzeilen – und spätestens seit die Gesprächsprotokolle an die Öffentlichkeit gelangt sind, auch für Empörung. Aber auch international haben verschiedenste Medien den Fall aufgegriffen und versuchen, den Lesern die Schweizer Einbürgerungspraxis zu erklären.


In der Schweiz geboren, 25 Jahre dort gelebt - trotzdem keine Einbürgerung

So titelt Spiegel Online. Und schreibt: «Die Schweiz ist ihre Heimat, doch das reicht nicht für einen Pass. Das Einbürgerungsgesuch einer jungen Frau in der Gemeinde Buchs wurde abgelehnt. Einer der Gründe: Sie kauft bei Aldi ein.» Die Sache mit Aldi ruft beim deutschen Magazin besonders viel Unverständnis hervor. Dafür schliesst der Bericht positiv: «Ein Aargauer Politiker sieht gute Chancen für ein Happy End, berichtet die "Aargauer Zeitung"

Keine Einbürgerung ohne­ Altölentsorgungs­kenntnisse

Zeit Online schreibt zu den Gründen für die verweigerte Einbürgerung: «Weil sie nicht wandert. Und Müll falsch trennt.» Ausführlich wird beschrieben, wie Yilmaz im Rathaus in Buchs (ein "10.000-Einwohner-Ort 30 Minuten westlich von Zürich") vor der Einbürgerungskommission sitzt und Fragen beantwortet. «Sie geht gern ins Pole-Fit und "in den Ausgang", wie man als guter Schweizer sagt, ins Kino Schloss oder einen trinken im Summertime am Ufer der Aare.» Zum Protokoll des Interviews schreibt Zeit Online: «Selten war behördliche Willkür besser dokumentiert.»

384 Kommentatoren haben sich zum "Zeit"-Artikel geäussert. So meint etwa "Bluto Blutarski": «Die Hauptfrage, die sich beim Lesen stellt, ist doch die: Warum sollte jemand Schweizer werden wollen?» und bekommt von "Wolkenhobel" eine originelle Antwort: «Vielleicht, um auch politisch an der Abschaffung dieses Unfugs mitwirken zu können.»  User "welfe69" erklärt, dass in der Schweiz die Kantone und Gemeinden viel Mitspracherecht haben und findet: «Das Prinzip ist so schlecht nicht, wäre auch etwas für das föderale Deutschland -Bayern würde vielleicht andere Maßstäbe anlegen als Hamburg beispielsweise.»

"Wie werden Sie als Schweizerin Altöl entsorgen?"

Auch die Süddeutsche Zeitung titelt auf das Altöl. Dazu ein Bild von einem SVP-Plakat zu den Einbürgerungsvorlagen mit der Unterschrift: «Mit Einbürgerung haben sie's nicht so, die Schweizer. Bei Volksabstimmungen werben rechte Parteien massiv um Stimmen.»

Wie man Schweizer wird, erklärt die "Süddeutsche" so: «Die Gemeinde vor Ort überprüft, ob jemand die formalen Kriterien erfüllt, lange genug im Kanton lebt und die Sprache spricht. So weit, so objektiv. In die Entscheidung fließen aber auch weniger eindeutige Kriterien mit ein: "Vertraut sein mit den Lebensverhältnissen" oder "Wille zur Teilnahme am Wirtschaftsleben".»

Die Zeitung sieht Parallelen zu anderen Fällen: «Immer wieder einmal kommt es vor, dass Menschen die Einbürgerung verwehrt wird, weil sie ihre Freunde eher in der Nachbarstadt haben (so geschehen bei einem amerikanischen Professor, der nach vierzig Jahren in der Schweiz das Gesuch stellte) oder weil sie im Dorf nicht sonderlich beliebt sind - wie zum Beispiel die Veganerin Nancy Holten, die sich gegen Kuhglocken engagiert.»

"Aimez-vous la randonnée?": une résidente suisse échoue au test de naturalisation

Mögen Sie es, zu wandern? Eine in der Schweiz Ansässige versagt im Einbürgerungstest. So titelt das Französische Blatt l'expresse.  Auch hier wird auf einen anderen, ähnlichen Fall verwiesen, nämlich der einer kosovarischen Familie in Bubendorf, der man auch die Einbürgerung verweigert hatte. «La raison? Ses membres se promenaient un peu trop souvent en survêtement.» (Der Grund? Die Familienmitglieder waren etwas zu oft in Jogginghose unterwegs)

Switzerland puzzles over citizenship test after lifelong resident fails

Die Schweiz rätsle über den Einbürgerungstest, schreibt die britische Zeitung The Guardian. Die Fragen, die man sich zur Zeit stelle: «Should foreign residents have to know how to recycle waste oil before they can apply for citizenship? Are people who shop at local corner shops more deserving citizens than those who frequent supermarkets? And what kind of sport is “hornussing”?» (Müssen Ausländer wissen, wie man Öl entsorgt, bevor sie Schweizer werden können? Verdienen Leute, die im Dorfladen einkaufen, die Staatsbürgerschaft mehr als solche, die in den Supermarkt gehen? Und was für ein Sport ist Hornussen?)

Hornussen beschreibt der Guardian als «an indigenous cross between baseball and golf» (eine einheimische Mischung zwischen Baseball und Golf) und verweist auf einen Artikel, der den Sport ausführlich erklärt.

İsviçre’de köy kasabının ismini bilmeyen Türk’e vatandaşlık vermediler!

Auch in türkischen Medien wurde über den Fall berichtet. Weil sie den Namen des Dorfmetzgers nicht gewusst habe, habe man einer Türkin die Schweizer Staatsbürgerschaft nicht gewährt, heisst es in der Schlagzeile von arti +33. Der Fall habe in der Schweiz eine Diskussion über das Einbürgerungs-System entfacht, heisst es weiter.

Lifelong Switzerland Resident Fails Citizenship Test

In den Vereinigten Staaten nahm sich die «International Business Times» dem Fall an. Etwas verwirrend: Statt einem Bild wird der Artikel mit einem Video illustriert, in dem es allerdings nicht um den Fall Yilmaz geht: «Suicide Tourism, Switzerland a Save Haven» (Sterbehilfe-Tourismus, Schweiz ein sicherer Himmel). Im Artikel heisst es, verweigerte Einbürgerungen seien sehr selten, mit einem Verweis auf einen Artikel der bz Basel. Auch die Amerikaner verweisen auf weitere Fälle, wie etwa Nancy Holten, die nicht eingebürgert wurde wegen ihrer «un-Swiss views» (unschweizerischer Ansichten).

 不認識地區小店及傳統運動,土生土長也不能成為瑞士公民?

Kann man nicht Schweizer Bürger werden, wenn man die lokalen Geschäfte und traditionelle Sportarten nicht kennt?, fragt The News Lens in chinesischer Sprache. Sehr ausführlich wird beschrieben, welche Kriterien erfüllt werden müssen, damit man Schweizer werden kann. Auch was Hornussen ist, wird erklärt, sogar mit einem Video, das den Titel trägt: «Hornussen – the sport of Swiss farmers» (Hornussen – der Sport der Schweizer Bauern).