"Ich habe zuerst gegen die Männer zu kämpfen versucht und sie später immer wieder angefleht, sie in Ruhe zu lassen", sagte der Mann am Freitag telefonisch der Nachrichtenagentur AFP. Er befand sich in der Stadt Gorakhpur im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh.

Die Medizinstudentin war am 16. Dezember in Neu Delhi bei der Rückkehr von einem Kinobesuch mit ihrem Freund in einem Bus von sechs Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange misshandelt und schliesslich zusammen mit ihrem Freund nackt aus dem fahrenden Bus geworfen worden.

Sie wurde so schwer verletzt, dass sie vor einer Woche starb. Ihr Freund, der verprügelt wurde, erlitt einen Beinbruch und weitere Verletzungen.

Dem Freund zufolge kam niemand zu Hilfe, als beide nach ihrer einstündigen Tortur verletzt auf der Strasse lagen. "Ein Passant hat uns gefunden, aber meiner Freundin nicht einmal seine Jacke gegeben, wir haben auf Rettung durch die Polizei gewartet", sagte er AFP.

Keine Rücksicht

Er warf auch der Polizei Versäumnisse vor. Seine Freundin sei in eine Klinik gebracht worden, wo auf ihren mentalen Zustand keine Rücksicht genommen worden sei. "Mich haben sie wie eine Sache behandelt, sie wollten den Fall lösen, noch bevor ich behandelt wurde", sagte der Mann.

Zum Hergang des brutalen Zwischenfalls sagte der 28-Jährige, er habe den Bus zunächst gar nicht besteigen wollen. "Aber meine Freundin war spät dran, und so sind wir eingestiegen, was der schwerste Fehler war - danach lief alles ausser Kontrolle", führte er aus.

Der Fahrer des Busses habe als erster lüsterne Bemerkungen von sich gegeben, später hätten die anderen fünf Vergewaltiger eingestimmt. Er habe dann verlangt, den Bus anzuhalten, doch die Männer hätten daraufhin die beiden Türen verriegelt, sagte der Freund.

"Ich kann gar nicht sagen, was ich fühle, wenn ich daran denke", sagte der Freund. "Ich zittere vor Qualen", fügte er hinzu. Gegen fünf Täter war am Donnerstag Mordanklage erhoben worden. Der sechste soll noch minderjährig sein und könnte vor ein Jugendgericht kommen.