Deutschland

Frau Dr. «Mini-Merkel» wird neue Deutsche Bildungsministerin

Es fiel Angela Merkel sichtlich schwer, ihre Freundin und mit Plagiatsvorwürfen überhäufte Bildungsministerin Annette Schavan acht Monate vor der Bundestagswahl gehen zu lassen. Dennoch, bei aller menschlichen Tragik: Der Ersatz für Schavan fügt sich so gut wie ein fehlendes Puzzleteil ins Gesamtbild.

Johanna Wanka heisst die künftige deutsche Bildungs- und Wissenschaftsministerin. Die Kontinuität zur stillen und zurückhaltenden Schavan ist durch Wankas Auftreten gewahrt. «Ich bin niemand, der für lautes Getöse steht, der polarisiert», hat Wanka einmal über ihren Politikstil gesagt. Allerdings: Wenn sich der nächste Karriereschritt bot, war sie immer zielstrebig zur Stelle.

In Mathematik promoviert

Eine Dissertation hat auch Wanka schon vor 33 Jahren geschrieben – im Fach Mathematik. «Lösung von Kontakt und Steuerungsproblemen mit potential-theoretischen Mitteln» lautet der Titel. Auf PlagiPedi Wiki heisst es dazu: «Diese Dissertation wurde noch nicht untersucht. Es ist daher davon auszugehen, dass sie alle wissenschaftlichen Kriterien erfüllt.»

In gut zwei Wochen braucht Wanka eine «Anschlussverwendung». Derzeit ist die CDU-Politikerin noch Wissenschaftsministerin in Niedersachsen. Dort aber wurde die schwarz-gelbe Landesregierung am 20. Januar abgewählt, in knapp zwei Wochen geht Rot-Grün an den Start (vgl. Kasten). Doch auch mit ihrer neuen Chefin, der Bundeskanzlerin, verbindet Wanka einiges. Die 61-Jährige stammt ebenfalls aus Ostdeutschland, sie wurde im sächsischen Rosenfeld geboren. Wie Merkel studierte auch Wanka ein naturwissenschaftliches Fach – Merkel Physik, Wanka Mathematik. Sowohl die Kanzlerin als auch Wanka sind zudem mit Hochschulprofessoren verheiratet. Und beide Frauen engagierten sich 1989 in der DDR-Bürgerbewegung, Merkel im Demokratischen Aufbruch, Wanka im Neuen Forum. Sowohl die eine als auch die andere machte im Westen Karriere. Wanka allerdings begann ihren politischen Weg im Osten.

Bis zum Jahr 2000 war Wanka Rektorin an der Fachhochschule in Merseburg (Sachsen-Anhalt), dann wurde sie Kultur- und Wissenschaftsministerin in Brandenburg. 2009, als die SPD nicht mehr mit der CDU, sondern lieber mit der Linken koalierte, musste Wanka als CDU-Fraktionsvorsitzende auf die brandenburgische Oppositionsbank wechseln. Recht überraschend holte sie der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) 2010 aber als Wissenschaftsministerin nach Niedersachsen. Wanka ist somit die erste ostdeutsche Politikerin, die in ein westdeutsches Kabinett wechselte. Wie Merkel stieg sie erst spät in die Politik ein, die Ochsentour durch die Kreisverbände kennen beide Politikerinnen nicht.

Befürworterin von Studiengebühren

Wankas Draht zu Merkel ist gut. Wegen der vielen Ähnlichkeiten wird sie in Berlin gelegentlich auch «Mini-Merkel» genannt. Doch im Privatleben gibt es dann doch einen deutlichen Unterschied: Die Bundeskanzlerin ist kinderlos, Wanka hat zwei erwachsene Kinder. Die gebürtige Sächsin, die mit ihrer Familie in Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam lebt, hat insgesamt 13 Jahre als Wissenschaftsministerin vorzuweisen und gilt als fachlich kompetent. Allerdings hat sie die umstrittenen Studiengebühren, die viele Bundesländer in Deutschland erhoben, noch im Sommer 2012 verteidigt. Damals meinte sie, in fünf Jahren werde es überall in Deutschland Studiengebühren geben. Diese Prophezeiung wird sich wohl nicht erfüllen, denn derzeit müssen Studenten nur noch in Bayern für den Zugang zur Universität bezahlen, und auch dort wackelt die Gebühr.Kommentar rechts

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